Gemeindekennziffer: 61259

SonstigesDrachensage

  • Ab / Am
    12. Jahrhundert

Diese berichtet, dass noch im 12. Jahrhundert eine römische Stadt auf dem Brunnfeld gestanden sein soll. Ein Erdbeben habe das Felsgestein an der Roten Wand zusammengeschüttelt, so dass es ins Tal herabstürzte und dieses verschüttete. Der wahre Kern besteht darin, dass die dort noch bestehenden Anlagen der ehemaligen römischen Siedlung unter den Felsentrümmern begraben wurden. Eine Stadt aber war es sicher nicht. Dazu ergänzt die Sage, wie sie uns mündlich überliefert wurde, dass in der Roten Wand ein Drachen hauste, der diesen Felssturz verursacht haben soll.

Im alten Stadtwappen der Stadt Liezen war dieser Drachen grün auf rotem Hintergrund dargestellt. Eine andere Auslegung berichtet, dass dieses furchtbare Ungetüm beim "Sennglöckl" in der Roten Wand gelebt haben soll. Der Hahn des Hainzlebner-Bauern habe sich dorthin verirrt und sei vom Drachen gefressen worden. Dadurch gestärkt, sei dann dieses Untier ausgebrochen und habe damit den Felssturz verursacht. Die Sage weiß aber auch, dass jene "Stadt" bis zum "Weißen Kreuz" an der Ausseer Straße gereicht haben soll. Beim Grafenkreuz im Oberdorf und in der Nähe des Kornbauernhofes (heute Salzstraße 12) sollen Heidentempel oder vielleicht eine alte Kirche gestanden sein. Wahrscheinlich waren dies alte Heidentempel oder nur Bilder heidnischer Götter. So ist es zu erklären, dass dort Überbleibsel der Römerzeit noch länger bestanden. Es steht nicht genau fest, in welcher geschichtlichen Zeit sich dieser Felssturz ereignet hat. Sicherlich aber nach der Römerherrschaft (400 n. Chr.) und spätestens im 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr.


Drachensage von Schulrätin Margarete Aigner

  • 1947

In seiner im Oktober 2007 erschienenen Broschüre "Die Liezener Sagen" führt Rudolf Winkler über die von Schulrätin Aigner überlieferte Sage folgendes aus:

Frau Schulrat Margarete Aigner hat in der Festschrift zu der 1947 stattgefundenen Stadterhebung der Drachensage auf Seite 7 genau 19 Zeilen, einschließlich der Quellenangabe, gewidmet. Nicht wegen ihrer fehlenden Bedeutung oder gar wegen Platzmangel - der simple Grund war, dass die vorhandenen Aufzeichnungen so dürftig gewesen sind und nicht für eine ausführlichere Beschreibung reichten. Frau Aigner hat in der Festschrift folgendes geschrieben:

 

„Beim Jungbrunnen" ist ein Wasser, so ein Tümperl, da war der Drache drinnen, der Schwanz gegen Weißenbach, der Kopf gegen Liezen. Der Drache ist ausgebrochen und hat Liezen verschüttet. Ein Fuhrwerk mit ungelöschtem Kalk ist gerade auf der Straße daher gefahren, das hat der Drache gefressen und ist vom Kalk hin geworden. (vlg. Angerer, Weißenbach).                             


Drachensage nach Dr. Peter Domes

  • 1970

In seiner im Oktober 2007 erschienenen Broschüre "Die Liezener Sagen" weist Rudolf Winkler auf ein vom Tierarzt Dr. Peter Domes 1970 gemaltes Bild auf Leinen (Textilmalerei) hin, auf dem Dr. Domes die Drachensage als Bildumrahmung verwendet hat. Die Umrahmung hat folgenden Wortlaut:

 

IN DER ZEIT DA UNSERE STEIERMARK EIN HERZOGTUM WURDE, HAUSTE IN EINEM UNTERIRDISCHEN BERGSEE EIN GRAUSIGER DRACHE. HEUTE IST DORT OBEN NUR MEHR DIE RÖTH ÜBRIG GEBLIEBEN.

 

DER HAHN VOM HAINZLEBNER VERIRRTE SICH DA HINAUF ZUR GSENNLEGN UND WURDE VOM DRACHEN VERSCHLUNGEN. ABER DER HAHN WEHRTE SICH UND DER DRACHE BEKAM BAUCHGRIMMEN.

 

DURCH DIESE GEWALT BRACH DER SEE AUS. DIE FURCHTBARE MURE VERSCHÜTTETE DAS DORF STIRIATE DAS DAMALS SCHON LVECZEN HIESS. ABER VOM RANDE DER MURE FÜHRTEN DIE FÜNF WEGE IN ALLE WELT.


Drachensage von Schulrätin Luitgard Hasl

  • 1993

In seiner im Oktober 2007 erschienenen Broschüre "Die Liezener Sagen" führt Rudolf Winkler über die von Schulrätin Hasl überlieferte Sage folgendes aus:


Anlässlich eines Schülertreffens des Volksschuljahrganges 1929/30 am 22. Mai 1993 präsentierte Frau Schulrat Luitgard Hasl die Liezener Drachensage als Ballade. Ich darf mit gutem Gewissen behaupten, es ist  Luitgard hervorragend gelungen, unserem Wappentier Leben einzuhauchen. Es ist auch nicht den Schwerttod gestorben, wie es sich für einen Drachen gehört, es fraß in seiner Gier eine Fuhre ungelöschten Kalk und verendete daran.


Die oben erwähnte Ballade hat folgenden Wortlaut:


Auf der Roten Wand gabs nichts zu lachen,

man fürchtete sich vor dem Drachen.

Hier hatte das gefräßige Tier

in grauer Vorzeit sein Revier,

mit Gier auf einen Hahn zu lauern,

den Hahn von Hainzl-Ebner-Bauern.

Ein kleiner Hahn! Ein bisschen Fraß!

Der Drache spürte doch etwas.

Er fühlte Kräfte bis zum Schwanz

fuhr sofort im wilden Tanz

den Berg hinab und viel Geröll

begrub am Brunnfeld das Kastell

der Römer, gleichfalls alle Krieger.

Der Drache war der stolze Sieger.

Er "hätt" das ganze Tal bezwungen,

wenn er kein Kalkfuhrwerk verschlungen.

Er lag verätzt am innern Balg.

Was fraß er ungelöschten Kalk?

Er, der der Weltmacht mitgespielt,

beherrscht das Liezener Wappenbild

und findet Überlebensdauer

auf Zinnen einer Kleinstadtmauer,

in die fünf Tore eingelassen

zum Hinweis auf fünf alte Straßen:

1. nasse Döllacher-

2. grüne Ausseer-                                

3. kalte Pyhrn-

4. mächtige Haupt-

5. schmale Admonter-Straße.


Drachensage nach Rudolf Winkler

  • 2007
In seiner im Oktober 2007 erschienenen Broschüre "Die Liezener Sagen" erzählt Rudolf Winkler die Drachensage wie folgt:

Die Sage vom Drachen in der Roten Wand

Neue Fassung

 

In einer fernen Zeit, als Liezen noch eine römische Post- und Pferdewechselstation gewesen ist und Stiriate geheißen hat, in einer fernen Zeit, als es noch keine Liezener Röth gegeben hat und die bäuerlichen Liegenschaften Ober- und Unterbreinsberger sowie Taschen und Ziehrer eine geländemäßige Einheit  bildeten, beginnt die Sage vom Drachen, der in der Roten Wand gehaust hat.

 

Am Rücken des Hirschriegel oberhalb von Liezen war eine größere Wasserlacke, die Gsenklacke genannt wurde. Es war eigentlich keine Lacke, sondern ein kleiner, glasklarer See in dem sich allerlei Getier tummelte. Gespeist wurde sie von einer leicht überhöht gelegenen Quelle, die als Jungbrunnen von Alt und Jung sehr geschätzt wurde. Das Gelände rund um die Gsenklacke wurde von den Liezener und Weißenbacher Bauern als Weide für das Jungvieh genützt. Einträchtig badeten die Liezener Männlein und Weiblein im Wunderwasser der Lacke und das Jungvieh und das Wild löschten mit dem kalten Wasser ihren Durst. Alle waren zufrieden und die Gsenklacke erfreute sich größter Beliebtheit.

 

Ein Drache, auf der Suche nach einer Bleibe, kam zur Gsenklacke und weil es ihm dort so gut gefiel, wählte er sie als Wohnsitz. Er befürchtete aber, dass auch andere auf diesen kleinen See Anspruch erheben würden und beschloss, sich nicht vertreiben zu lassen.

 

Als erstes passte er sein Schuppen- und Hornkleid dem roten Gestein an und legte sich dann auf den Grund des Gewässers. Ab diesem Zeitpunkt war er für Mensch und Tier unsichtbar.

 

Als die Wildtiere - Hase, Reh und Hirsch - wie gewohnt zur Lacke kamen, um ihren Durst zu löschen, schlug der Drache erbarmungslos zu. Auch als die Liezener und Liezenerinnen  in das Wasser stiegen, trat der Drache in Aktion und das Wasser färbte sich dunkelrot vom Blut der gewaltsam ums Leben Gekommenen.

 

Bald mieden Mensch und Tier die Gsenklacke und der Drache wurde, weil er seinen Hunger nicht mehr stillen konnte, immer kraftloser. Er lag in der Lacke und blickte mit bösen Augen voller Hass auf das weit unten im Tal liegende Liezen. Er gab den Bewohnern die Schuld für seine missliche Lage, sein Hunger wurde immer größer.

 

Im Blickbereich des Drachen lag das landwirtschaftliche Anwesen des Hainzl-Ebner- Bauern, damals ein großer schöner Bergbauernhof. Eines Tages, es war ein Irchtag (Dienstag), beobachtete der Drache das tägliche Geschehen am Hof des Hainzl-Ebner-Bauern. Er bemerkte wie der große stolze Hahn seine Hühner verließ, bergwärts stolzierte und geradewegs zur Gsenklacke kam. Arglos näherte sich der Hahn der Lacke und begann, weil ihn der Aufstieg durstig gemacht hatte, gierig das köstliche Nass zu trinken. Schnapp machte der Drache mit seinem großen Maul und verschlang den Hahn.

 

Für einen Drachen war es ein kleiner Hahn, aber er spürte doch etwas. Er fühlte ungeheure Kräfte vom Kopf bis zum Schwanz und Blutgier erfasste ihn. Er begann mit dem Schwanz gegen das steinerne Ufer zu schlagen, lockerte weitum Fels und Geröll und löste eine riesige  Lawine aus. Auf dieser Stein- und  Gerölllawine ritt der Drache wild schnaubend zu Tal. Liezen wurde meterhoch verschüttet, alle Bewohner auf ewiglich begraben.

 

Voller Wut und Hass, voller Enttäuschung blickte der Drache um sich, er sah sich um seine Beute betrogen. Da erblickte er auf einmal ein schwer beladenes, vierspänniges Pferdefuhrwerk, vom Pyhrn kommend, auf sich zufahren. Der Kutscher schlug, als er den Drachen sah, in panischer Angst auf die Pferde ein,  um im Galopp  dem Drachen zu entkommen. Doch mit Mann, Ross und Wagen mitsamt der Ladung, die aus ungelöschtem Kalk bestand, verschlang der Drache seine Beute.

 

Der Durst nach dieser makaberen Mahlzeit war groß und dort, wo sich der Pyhrnbach aufgrund des Felssturzes aufzustauen begann, trank er Unmengen Wasser. Kurze Zeit später lag er tot am Uferrand, verätzt an seinem inneren Balg. Was fraß er auch ungelöschten Kalk?


Der Drache von der Roten Wand war der erste seiner Zunft, der nicht den Schwerttod, wie es sich für einen Drachen gehört, gestorben  ist.

 

Die Gsenklacke gibt es zwar noch immer, sie ist aber im Laufe der Jahrhunderte ein unansehnlicher Tümpel geworden. Die Jungbrunnenquelle ist an ihrem ursprünglichen Standort versiegt, kommt aber 50 Meter nach der Abzweigung des Höllsteigerl von der Fahrstraße als kaltes Bründl wieder ans Tageslicht. Es ist ein erfrischendes kaltes Wasser, das von Almgehern gerne getrunken wird. Nur seine Wirkung als Jungbrunnen ist zum Leidwesen aller verloren gegangen.

 

Der Fösselvater hat beim kalten Bründl immer eine Rast eingelegt, den alten speckigen Filzhut mit dem kalten Wasser gefüllt und es mit Behagen getrunken. Er ist über 90 Jahre geworden und das in voller geistiger Frische, ob vielleicht  die ursprüngliche Wirkung als Jungbrunnen doch nicht ganz verloren gegangen ist?

 

Heute prägt das Bild des „Drachen von der Roten Wand" das Stadtwappen von Liezen. Der Drache kann aber nichts mehr anstellen, außer mit grimmigen Blicken auf die Nachfolger seiner ehemaligen Widersacher herab zu schauen.


Nachbetrachtung:

 

Ich konnte mit dem Namen Sennglöckl, wo der Drache gehaust haben soll (erwähnt von Herrn, Hermann v. Wissmann) nichts anfangen. Viele alte Liezener habe ich dazu befragt, habe aber keine befriedigenden Antworten bekommen. Daher habe ich die Gsenklacke an die Stelle des Sennglöckl gesetzt. Nachdem Herr Dr. Peter Domes die Behausung des Drachen zur Gsennlegn verlegt hat, wird man auch meine Auslegung Gsenklacke akzeptieren.  Die Autorin Berta Runge beschreibt in ihren Büchlein „ Aus der Schatztruhe des Volksmundes" auf Seite 31 was man unter einer Leggn versteht: „Eine Leggn ist ein Eingang für das Vieh (zu öffnen und zu verschließen)".


Drachensage nach Universitätsprofessor Hermann von Wissmann

In seiner im Oktober 2007 erschienenen Broschüre "Die Liezener Sagen" führt Rudolf Winkler über die von Universitätsprofessor Hermann von Wissmann,  Sohn des Afrikaforschers, schriftlich überlieferte Sage folgendes aus:


Beim Sennglöckl in der Roten Wand hauste ein Drache. Eines Tages verirrte sich der Hahn des Hainzl-Ebner-Bauern hier herauf, der Drache fraß den Hahn auf und wurde so stark, dass er ausbrach. Durch die Erschütterung rutschte die ganze Rote Wand ab und die Stadt Liezen wurde verschüttet.

Einmal pflügte der Kornbauer in Liezen ein Feld, plötzlich blieben die Rosse schnaubend stehen, er schaute nach, was die Tiere so schreckte und sah etwas Goldglänzendes aus dem Boden schauen; es war ein goldenes Kreuz. Dieses war das Liezener Kirchen-Kreuz, das vom Bergsturz verschüttet worden war. Um 1840 verbrannte das hölzerne Kornbauerhaus. Seit dieser Zeit ist das Kreuz verschwunden.


Quelle: Buch "900 Jahre Liezen 1074-1974"
Verfasser: Elisabeth Krammer, 1.10.2013
Letzte Überarbeitung: 06.03.2026
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