Gemeindekennziffer: 61259

PersonNikolaus Dumba

  • Geboren
    24.07.1830
  • |
  • Gestorben
    23.03.1900

Nikolaus Dumba

Nikolaus Dumba wurde in Wien geboren und verstarb in Budapest.


Sein Vater Sterio Dumba, der aus Mazedonien stammte, legte den Grundstein für das Vermögen der Familie Dumba durch Baumwollimporte aus eigenen Plantagen und der Verarbeitung in eigenen Fabriken in Tattendorf bei Wien. Dadurch wurden  die Dumbas im Wien des 19. Jh. eine wichtige Wirtschaftskraft.


Nikolaus Dumba war Eigentümer der k & k Privat Baumwoll-Spinnereien in Tattendorf in Niederösterreich, Mitglied des Niederösterreichischen Landtages und des Reichsrates. Er war aber nicht nur an Wirtschaft sondern auch an Kultur interessiert. Als Angehöriger vieler Kunstinstitutionen beeinflusste er die Kultur der Wiener Ringstraßenzeit mit. Laut historischen Aufzeichnungen war N. Dumba seit 1870 in Liezen ansässig, wo er bereits 1873 die Ehrenbürgerschaft verliehen bekam. Er ließ auf dem Areal südlich der Ausseer Straße eine Villa errichten. August Krumholz, ein Schüler des Dombaumeisters Friedrich Schmidt, war für die Planung verantwortlich. Die Bauzeit betrug zwei Jahre (1874 - 1876). In der „Wiener Allgemeinen Bauzeitung" wurde die Villa 1876 als „Jagdhaus des Herrn Nikolaus Dumba zu Liezen in der Obersteiermark" publiziert. Doch bald nach der Fertigstellung des Objekts wurde eine Überplanung und Ausweitung des ersten Raumprogramms vorgenommen, bei der Heinrich Ferstl, der Erbauer der Wiener Votivkirche, seine Ideen eingebracht haben soll.

 

Nikolaus Dumba heiratete 1863 Marie Manno, mit der er eine Tochter Irene hatte. Er kam 1870 als Jagdherr nach Liezen, erwarb in und um Liezen umfangreiche Besitzungen (Schlossalm, Thorriesenalpenwaldung, Brunnalm, Steinfeldalm und den Gemeindeberg sowie einen Forstkomplex auf der Hintersteineralm). Dumba war in Liezen ein großzügiger Förderer vieler gemeinnütziger Einrichtungen.

 

Als Ehrenbürger der Stadt Liezen (Gemeinderatsbeschluss vom 23.03.1873) spendete er viel Geld für die Errichtung der ersten Wasserleitung in Liezen. Nach seiner Tochter und ihm sind der Irenenweg und der Nikolaus Waldweg sowie der Bildstock mit dem heiligen Nikolaus (von Dumba errichtet 1895) benannt.

 

Als er im Jahre 1900 starb, fuhr eine Abordnung der Gemeindevertretung von Liezen zum Begräbnis nach Wien.

 

Die Erben Dumbas verkauften den Park 1950. Der städtische Kindergarten wurde 1963 in der Mitte des Parks errichtet und die Aufschließungsstraße dorthin wurde „Nikolaus Dumba-Straße" genannt. 1960 wurde die Dumbavilla abgetragen, die andere Villa erwarb die Familie Goldschmid und renovierte sie. Die Siedlungsgenossenschaft "Ennstal" errichtete im Bereich der ehemaligen Dumbavilla vier Wohnhäuser für Voest - Angehörige.

 

2014 erwarb das Ehepaar Prof. Dr. Johann Josef Böker und Regina, geborene Schöllnhammer, das Haus und gestaltete das Obergeschoss so um, wie es zur Zeit Dumbas war. Das Ergebnis dieser Restaurierung wurde der Bevölkerung an "Tagen der offenen Tür" im Sommer 2016 vorgestellt.

 

Foto:

Autor: Löwy, Josef 
Datierung: 1880

Technik: Schwarz-Weiß-Negativ, Glasplatte
Format: B (6 x 6 - 9 x 12 cm)

Standort:  ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung (POR)


Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1870
Mitglied (1870) und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste Wien (1880)
Ehrenbürger von Liezen (Gemeinderatsbeschluss vom 23.03.1873)
Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (1877)
Ehrenbürger von Wien (25. Juli 1890)
Komturkreuz des k. Österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens
Orden der Eisernen Krone II. Klasse
Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens
Kaiserlich ottomanischer Mecidiye-Orden II. Klasse
Großkommandeur-Kreuz des k. Griechischen Erlöser-Ordens
Großoffizierskreuz der k. rumänischen Ordens der Krone von Rumänien
Komturkreuz I. Klasse des großherzoglichen Sachsen-Weimarischen Hausordens vom Weißen Falken 

Besuch von Johannes Nordmann

  • 1884

Der Schriftsteller und Journalist Johannes Nordmann (1820 - 1887) besuchte im August 1884 Nikolaus Dumba in dessen Villa in Liezen und schrieb in einem mit "Sommerfahrten" betitelten Artikel in der Neuen Freien Presse vom 19. August 1884, Seite 6, darüber unter anderem:

Als ich in Ebensee in strömendem Regen ausstieg, war durch diesen schon die Willkür und Gefahr der Gewitter gebrochen, die sich in östlicher Richtung über den Almsee hinweg und gegen das offene Land ausgetobt hatten. Ihre Nachwirkung kam in erfrischender Weise meiner Frühfahrt nach Ischl und Aussee zu statten, hielt aber kaum zum Mittag vor, an dem jeder Laie in den förmlich stechenden Sonnenstrahlen erkennen mußte, daß noch viel Zündstoff in der Luft liege, der sich vor Anbruch der Nacht in heftigen Gewittern ausgeben würde. Diese murrten und rumorten schon bedenklich, als ich über die Klachau hinweg in das Ennsthal hinausfuhr, um bei einem lieben Freunde in Liezen für ein paar Tage Rast zu machen.

Nun war ich unter Dach und Fach in einer Herberge, wie sie sich der Verwöhnteste nicht besser und freundlicher wünschen kann. Diese Herberge war, um es heraus zu sagen, die Villa des Reichraths-Abegordneten Dumba, der dort porcul negotiis, die ihm jahraus jahrein auferlegt sind oder die er sich in freier und opferwilliger Wahl selber auferlegt, sozusagen einige Flitterwochen verbringt. Ein flüchtiger Blick aus dem Coupèfenster des Eisenbahnzuges könnte die Vorüberfahrenden leicht zu dem Urtheile verleiten, daß diese Villa zu sehr in der Sonne liege. Wer aber die lauschigen Wege und Steige kennt, die auf Büchsenschußweite im Waldsaume erreicht sind, der sich  bis hart an die Ortschaft herabzieht, der wird auch im ärgsten Sonnenbrande eine Siesta in dieser Villa köstlich und begehrlich finden, zumal er noch, was wieder seinen hohen landschaftlichen Reiz bildet, aus dem Salonfenster den Tausing und den imposanten Grimming fast zum Greifen nahe vor sich liegen hat.

Was ursprünglich als pied-à-terre und riposo nach ermühenden Jagdausflügen geplant war, hat sich nachgerade zu einer herrlichen Villa herausgewachsen, was gleichfalls kein Fehler ist, zumal in ihr Einfachheit und Geschmack einen Komfort bietet, der nur in dem geläuterten Kunstsinne des Besitzers seine Erklärung findet.

Freund Dumba ist "ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn", und er hat, nur diesem Sport, nicht etwa in der sonntäglichen Bedeutung dieses Wortes, sondern in der "fermen" und wetterharten Weise zu genügen, ein meilenweites Jagdgebiet, das die Vorlagen des Todtengebirges umfaßt und in dieses selber hinaufgreift Auer- und Schildhahn, Gemse, Hirsch- und Rehwild sind die Beute, die "auf die Decke gebracht" und erlegt wird, von dem "Schädlichen" nicht zu sprechen, dem man gelegentlich Eines auf den Pelz brennt. Da heißt es aber früh auf den Beinen zu sein und spät abends draußen zu bleiben, um eine richtige Pürsche zu leisten. Zu diesem Zwecke muß der Jagdherr seinen Unterschlupf zum Nächtigen haben, und der Nimrod, von dem ich spreche, hat Almhütten auf dem Hochgebirge und Bauernhäuser in den Bergvorlagen erstanden, in denen sich ein Einzelner und eventuell eine kleine Jagdgesellschaft behaglich finden kann.

Ich selber machte, während der Jagdherr oben in den Wänden auf der Pürsche war, mit den Damen des Hauses einen nachmittägigen Ausflug nach der Hintersteiner-Alm, die nach einem kaum stundenlangen Aufstiege mühelos erreicht ist, nachdem man die über den Pyhrn nach Windischgarsten führende einstige Römerstraße verlassen hat. Die geringe Mühe wird durch den herrlichsten, zwischen bewaldeten Höhen eingebetteten Alpenboden, über den ein Quellbach hinwegläuft, reichlich gelohnt. Ich lobe nicht die Frau des Freundes, weil sie jedes Lob bescheiden ablehnt; das aber muß ich zu ihrem Preise sagen, daß sie als Wohlthäterin im ganzen Thale von allen Leuten verehrt wird, mit denen sie in der zwangslosesten und wohlwollendsten Weise verkehrt. Und ich lobe nicht die anmuthige Tochter, die, scheu wie ein Reh, selber als ein wohltätiger Engel in der ganzen Gegend waltet und jeden Tag für einen verlorenen halten würde, an dem sein nicht mit ihren "goldenen Herzen" eine Wohltat geübt hätte. Es sollte mir nicht vergönnt sein, da ich nur kurze Rast in Liezen halten konnte, sie als "Firmgodl" mit einem halben Dutzend von Bauernkindern nach Admont, wo in den nächsten Tagen gefirmt wurde, ausziehen zu sehen. Meine Staffage bliebe unvollendet, würde ich nicht ihre Freundin und Lehrerin, einer kleinen und feurigen Griechin aus Macedonien, erwähnen. Das blitzt und wettert in ihren großen Augen, verschönt und veredelt die ganze Erscheinung, wenn ein patriotisches Thema angeschlagen wird, und man ist in Versuchung, sie zu erzürnen, um sie gleichsam als Feuergarbe auflodern zu sehen.

Ich zähle die paar Tage zu den glücklichen meines Lebens, die ich in der Villa Dumba in Liezen verbrachte, und der Dank meiner Schilderung dieser riposo ist ein ärmlicher und erbärmlicher. Der magnetische Zug meiner Sommerfahrt ging in die Berge von Südtirol, die ich sobald als thunlich erreichen mußte.

 


"Nikolaus Dumba, Jagdherr und Mäzen", in "Liezen im Zeitenwandel" des Arbeitskreises Stadtmuseum, Folge 7, September 2002


Bericht im Buch "Wie die Zeit vergeht"

  • 2009

Georg Markus berichtet in seinem Buch "Wie die Zeit vergeht", erschienen 2009 im Amalthea Signum Verlag, Wien, auf Seite 178 in einem Beitrag über Gustav Klimt über Nicolaus Dumba folgendes:

Der aus Mazedonien stammende Industrielle Nicolaus Dumba, der den Salon seines von den Architekten Johann Romano und August Schwendenwein erbauten Palais am Parkring zum Treffpunkt der Kunst- und Musikwelt werden ließ, schrieb als einer der bedeutensten Mäzene des Fin des Siecle Geschichte. Seinem Einsatz ist die Errrichtung des Wiener Konzerthauses, des Musikvereinsgebäudes und des Künstlerhauses zu danken, die er als Organisator großer Spendenaktionen ermöglichte. Dumba unterstützte den Bau des Parlaments, der Votivkirche, des Rathauses und der Universität. In seinem Palais am Parkring hingen neben den Klimt-Bildern auch Werke von Makart, Gauermann, Amerling, Kupelwieser, Defregger, Schwind und Rudolf von Alt.

Dumba war der einzige Patrizier, der die Erhebung in den Adelsstand nicht annahm und begründete dies dem Kaiser gegenüber mit den Worten: "Lieber bin ich Euer Majestät erster Bürger als Sein letzter Aristokrat."


Quelle: Buch "900 Jahre Liezen 1074 - 1974", Liezen im Zeitwandel Folge 7 September 2002 Beitrag von RR Rudolf Polzer und Wolfgang Flecker, Mag. Gertrude Lackner.
Verfasser: Karl Hödl, 13.09.2007, 29.07.2016