Das Ennstal hatte zu Beginn der Eiszeit fast schon jene Form, wie wir es heute kennen. Dann kam es durch die Wirkung der Gletscher, die unsere Alpentäler deckten, noch zu wesentlichen Veränderungen. Die Talsohle war vor der Eiszeit weit höher gelegen als heute. Für die spätere Besiedlung unserer Heimat war die Eiszeit deshalb von Bedeutung, da sie eine Art Vorarbeit für die Rodung leistete. Die ersten Siedlungen finden wir ja dann auf Böden, die die Eiszeit geformt hat.
Nach der Eiszeit bedeckte ein langer See unser Tal, der durch die Schotterzufuhr aus den Seitentälern verflachte und schließlich seinen Abfluss durch das Gesäuse fand. Da und dort blieben flache Seen zurück, die später zu den großen Moorgebieten wurden, die wir heute noch im Ennsboden vorfinden. Aus der Steinzeit in unserem Tal wissen wir wenig. Funde, wie Steinbeile sind sehr spärlich. Eine Besiedlung war auch fast unmöglich.
Als die ersten Bewohner unserer Heimat kennen wir die Illyrer. Vermutlich stehen auch die frühesten Felszeichnungen in der "Höll", in der Nähe des Linzerhauses auf der Wurzeralm, damit in Verbindung. Auf 13 verschiedenen Felsblöcken sind Zeichnungen von verschiedener Art und Darstellung zu sehen, die aus der Zeit von 800 v. Chr. bis wahrscheinlich 800 n. Chr. stammen. Meist sind es Jagd- und Tierdarstellungen, Ornamente, Musikspiele und Christogramme.
Die Illyrer, auch Kelto-Illyrer benannt, haben uns wohl einige Namen wie Enns, Tauern, Tausing und Pyhrn hinterlassen. Von ihnen selbst und ihren Siedlungsformen und ihrer Kultur ist wenig bekannt. Sicherlich aber haben sie das Ennstal nicht sehr dicht besiedelt.
Schon ein halbes Jahrhundert vor Christi Geburt wird unser Tal in das große Römerreich einbezogen.
Die Römerzeit
Roms Soldaten eroberten unsere Heimat und gliederten sie in ihre neuerrichtete Provinz Noricum ein. Die Römer waren die großen Meister des Straßenbaues - eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung ihres Weltreiches - sie legten auch über unser heutiges Stadtgebiet eine römische Heeresstraße von Virunum (Klagenfurt) nach Ovilabe (Wels) und damit zur Nordgrenze der Provinz Noricum, der Donau.
In jeweils 20 km Entfernung errichteten sie Poststationen, besser gesagt Umspannstationen. In der sogenannten Peutinger'schen Tafel (Tabula Peutingeriana) sind die wichtigsten Römerstraßen verzeichnet. Wir können daraus entnehmen, daß sich auf dem Brunnfeld nördlich des Zentrums des heutigen Liezen die Station "Stiriate" befand. Dieser Name kommt aus dem keltoillyrischen Wort "stirus" oder "stiry" und bedeutet Fluß. Zweifelsohne war damit die Enns gemeint.
Stiriate
Als letzte Rast- und Umspannstation für die Pferdefahrzeuge der damaligen Zeit vor oder nach dem Pyhrnpaß kam diesem "Stiriate" eine besondere Bedeutung zu. Von hier weg führten Straßen westwärts über das Ennstal und das Ausseerland nach der römischen Stadt Juvavum (Salzburg), nach Osten in Richtung Admont, nach Norden zur nächsten Station "Gabromagum" (auch "Gabromagis" genannt) bei Windischgarsten.
Bei der Anlage ihrer Straßen wichen die Römer immer den Talböden aus und legten die Straßentrassen an den Hängen an. Die letzte Station vor Stiriate war im Süden "Surontio" (St. Lorenzen i. Paltental).
Die Straße führte vom Triebener Tauernpaß über "Surontio", über Burgfried-Lassing und über die Senke im östlichen Teil des Mitterberges, die im Volksmund nach einem dort stehenden Bildstock des Heiligen Jakob, der "Jockerl" genannt wird, ins Ennstal.
Wir können annehmen, daß diese Poststation Stiriate am Rande des sumpfigen Ennstales nur aus einigen Gebäuden, wie einer Gaststätte mit Herberge und Stallungen, Unterkünften für einige Soldaten und Handwerker, sicher Schmiede und Wagner bestand. Eine weitere Annahme ist, daß dies damals schon ein für unsere engere Heimat wichtiger Handels- und Umschlagplatz war. Allzuviel dürfen wir uns aber darunter nicht vorstellen.
Erinnerungen an die Römer
Außer dem Hinweis in der Peutinger'schen Tafel bezeugen auch Funde die seinerzeitige Anwesenheit der Römer. 1835 wurden auf dem Brunnfeld 2 Römersteine gefunden, die im Aufgang zum Kirchenchor der Stadtpfarrkirche eingemauert sind. Sie tragen folgende Inschriften: (Die in Klammern gesetzten lateinischen Wortteile sind in der Original-Inschrift nicht enthalten.)
1. STEIN Sul(pitius) Ressatus et Atigenta Con (iunx) vi(vi) f(ecerunt). Übersetzung: Sulpitius Ressatus und Atigenta, seine Gattin, setzten zu Lebzeiten diesen Stein.
2. STEIN (Se)necius Valens (vivus) s(ibi) e(t) Brog(i)e con(iugi) annorum XXXVI e(t) L(ucio)Senecio (Val) entio F(i)l(io) E(quiti) C(obortis) (praetoriae annorum XXVII stipendiorum) VII. Übersetzung: Senecius Valens ließ diesen Stein zu seinen Lebzeiten setzen für sich und seine Gattin Brogia im 36. Jahre seines Lebens und für den Lucius Senecius Valentinus, welcher Reiter der Prätorianer-Kohorte ist, 27 Jahre alt und im 8. Jahre seines Militärdienstes.
1932 fand man beim Neubau der Röthelbrücke an der Selzthaler Straße eine größere Menge römischer Münzen. Es bestand dort mindestens eine Fähre oder gar eine einfache Brücke.
Mit dem Ende des Römerreiches und nach der Völkerwanderung wurde unser Land fast menschenleer, bis es durch spätere Besiedlungen zu neuem Leben kam.
Die Drachen-Sage
Diese berichtet, daß noch im 12. Jahrhundert eine römische Stadt auf dem Brunnfeld gestanden sein soll. Ein Erdbeben habe das Felsgestein an der Roten Wand zusammengeschüttelt, sodaß es ins Tal herabstürzte und dieses verschüttete. Der wahre Kern besteht darin, daß die dort noch bestehenden Anlagen der ehemaligen römischen Siedlung unter den Felsentrümmern begraben wurden. Eine Stadt aber war es sicher nicht.
Dazu ergänzt die Sage, wie sie uns mündlich überliefert wurde, daß in der Roten Wand ein Drachen hauste, der diesen Felssturz verursacht haben soll. Im Stadtwappen ist dieser Drachen grün auf rotem Hintergrund dargestellt.
Eine andere Auslegung berichtet, daß dieses furchtbare Ungetüm beim "Sennglöckl" in der Roten Wand gelebt haben soll. Der Hahn des Hainzlebner-Bauern habe sich dorthin verirrt und sei vom Drachen gefressen worden. Dadurch gestärkt, sei dann dieses Untier ausgebrochen und habe damit den Felssturz verursacht.
Die Sage weiß aber auch, daß jene "Stadt" bis zum "Weißen Kreuz" an der Ausseerstraße gereicht haben soll. Beim Grafenkreuz im Oberdorf und in der Nähe des Kornbauernhofes (heute Salzstraße 12) sollen Heidentempel oder vielleicht eine alte Kirche gestanden sein. Wahrscheinlich waren dies alte Heidentempel oder nur Bilder heidnischer Götter. So ist es zu erklären, daß dort Überbleibsel der Römerzeit noch länger bestanden.
Es steht nicht genau fest, in welcher geschichtlichen Zeit sich dieser Felssturz ereignet hat. Sicherlich aber nach der Römerherrschaft (400 n. Chr.) und spätestens im 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr.
Unser Stadtwappen
Das Stadtwappen hält diese Sage fest. Außer dem grünen Drachen auf rotem Hintergrund (Rote Wand!) ist im unteren Teil des Wappens eine Stadtmauer mit 5 Toren dargestellt. Dies soll dartun, daß heute 5 Straßen von Liezen wegführen. Auch dadurch kommt die jahrhundertealte Bedeutung Liezens als Ort am Schnittpunkt mehrerer Straßen sinnfällig zum Ausdruck.
Die Slawen
Kurz nach den Römern kamen die Ostgoten in unser Tal, doch blieben sie nicht lange und verschwanden bald.
Ungefähr 600 n. Chr. wanderten die Alpenslawen (Slowenen) ein. Die fast menschenleere Gegend brauchten sie nicht zu erobern und so siedelten sie sich dort an, wo das Land schon gerodet war. Ihr Siedlungsraum war auf das Tal beschränkt. Die Slawen kamen aus dem Südosten und betrieben schon Viehzucht und Ackerbau.
An diese Slawen erinnern heute noch viele Ortsnamen, die Bezeichnungen von Bergen und von Bächen. Darunter auch der Name "Liezen", was soviel wie Sumpfgegend" oder "nasse Wiese" heißt.
Die Slawen waren bereits Christen. Damit in Zusammenhang steht sicherlich der Name unseres Kirchenpatrons, Sankt Vitus (Veit). Dieser Heilige war und ist heute noch der Heilige der Südslawen.
Die Bayrische Besiedlung
Nach den Kämpfen und Siegen Karls des Großen über die Awaren am Ende des 8. Jahrhunderts kam es allmählich zur endgültigen Besiedlung des Ennstales. Die Siedler - fast nur Bauern - kamen aus Bayern und Franken. Diese somit neubesiedelten Grenzgebiete des "Heiligen römischen Reiches deutscher Nation" gehörten zur "Karantanischen Mark". Der kirchliche Mittelpunkt war Salzburg - von wo schon 1 - 2 Jahrhunderte zuvor das Land zwischen Lech und Enns besiedelt worden war.
Diese Besiedlung stellt den Beginn unserer heutigen bäuerlichen Kultur und somit unseres ganzen Lebensraumes dar. Die meisten unserer Orte und Siedlungen gehen, wenn wir ihren Namen auch viel später erstmalig hören, auf diese geschichtliche Epoche zurück. Viele Namen, wie jene mit den Endungen -ing, -wang oder -weng, stammen aus dieser Siedlerzeit.
Der Grund im Tal gehörte zuerst den Königen. Von diesen erhielt ihn der Erzbischof von Salzburg, der ihn dann an seine Dienstmannen und Freien als "Lehen" weitergab. Dieser Ausdruck, sowie die Bezeichnung "Hube" stammen aus dieser Zeit.
Gau Ennstal
Aus der Karolingerzeit (die Zeit der Kaiser und Könige nach Karl dem Großen) wissen wir fast gar nichts über das Ennstal. Lediglich aus einer Urkunde vom 1. 10. 859 erfahren wir, daß König Ludwig der Deutsche, ein Sohn Karls des Großen, zu Ranshofen dem Grafen Witigow (auch Witigowa genannt) 12 Zinshuben aus königlichem Besitz im Tale Ademunds (Admont) schenkte. Das Ennstal bildete zu dieser Zeit einen Gau oder eine Grafschaft als erste Art von Verwaltungseinheit, deren Grenzen ungefähr denen des heutigen Verwaltungsbezirkes entsprechen. Die ersten Siedlungsformen waren Weiler. Die ersten Versuche, Erz zu schürfen, setzten ebenfalls schon in dieser Zeit ein.
Um das Jahr 1000 schenkte Kaiser Heinrich II. sein Kammergut Adamunta (wieder Admont) zusammen mit den Haller Salzpfannen der Salzburger Kirche und schließlich ging 1036 der Grund und die Macht des Grafen in den Besitz des Erzbistums über. Noch gehörte das Tal zur großen Karantanischen Mark und später erst zur Steier-Mark, die schließlich ein Herzogtum wurde.
In der Mitte des 11. Jahrhunderts kam das Ennstal gemeinsam mit der heutigen Obersteiermark unter die Herrschaft der Traungauer, die Herren von Sitr (Steyr), unter denen es eine "Markgrafschaft" wurde. Hier setzt die aufgezeichnete Geschichte von Liezen ein.
Nach dem Wunsch der Heiligen Hemma von Gurk, einer Kärntner Grafentochter und Gräfin von Friesach und Zeutschach, die schon 1043 eine Marienkirche und später ein Nonnenkloster in Gurk gestiftet hatte, sollte im Ennstal ein Kloster errichtet werden. Gräfin Hemma, die Initiatorin dieser für das Tal so bedeutsamen Stiftung, starb bereits 1045. Sie wurde 1287 selig - und 1938 heiliggesprochen. Erzbischof Gebhard von Salzburg fügte den schon von der Stifterin Hemma bestimmten Gütern weiteren Besitz hinzu und so war eine Klostergründung möglich.
Am 29. September 1074 weihte Erzbischof Gebhard in Gegenwart weiterer Bischöfe und Äbte die Klosterkirche zu Admont zu Ehren der Heiligen Maria und des Heiligen Blasius. Die ersten Mönche kamen aus dem Kloster St. Peter in Salzburg.
LUECEN - LIEZEN wird erstmals genannt
Der Stiftungsbrief zu dieser Klostergründung stellt eigentlich nur ein Güterverzeichnis dar. Diese Urkunde gibt es leider nicht mehr. Dem unermüdlichen Forscher der Geschichte des Stiftes Admont, Pater Jakob Wichner, ist es zu verdanken, daß uns heute der Wortlaut dieser Urkunde noch bekannt ist, in welcher der Besitz des Klosters aufgezählt ist.
Wir finden Ortsnamen wie Strechau, Lassing, Dietmannsdorf, Singsdorf, Haus, Aich, Hofmaning, Pruggern, Gössenberg, Weißenbach bei Liezen und viele andere. Eine Stelle dieses in Latein geschriebenen Textes lautet:
"Decimam at luecen et mansum unum ..."
Übersetzung: (- den Zehen zu Liezen und eine Hube ...)
Natürlich wurde diese hier erstmals angeführte Schreibweise dann - wie bei allen Ortsnamen - noch öfters geändert. Wir können aber mit Sicherheit annehmen, daß diese Siedlung "Luecen" weit älter ist und vielleicht schon ab 600 n. Chr. Bestanden hat. Beweisen läßt es sich nicht.
Nach 1074
Der Besitz des Stiftes Admont wurde nach der Gründung ständig vergrößert. Auch der Salberg bei Liezen war sehr bald schon Eigentum des Klosters, nicht zuletzt wegen des Erzvorkommens. Erzbischof Thiemo von Salzburg übergab 1093 dem Kloster unter anderem den Flecken Rute (Reitthal) und das Fischrecht.
1115 scheint der Name Luzin auf. Nun verdichten sich langsam die geschichtlichen Quellen über unsere Heimat. So tritt 1120 ein gewisser Erchinbeck von Liezen, ein Vertreter eines Geschlechts, das sich noch einige Jahrhunderte hindurch feststellen läßt, in Erscheinung. In einer Admonter Urkunde wird dieser Erchinbeck als Zeuge angeführt.
Die Kirche in Liezen wird 1130 erstmalig erwähnt, sie war aber noch lange eine Filial-Kirche von Lassing.
Ein weiteres Geschlecht - sicherlich nichts anderes als freie Bauern - scheint in einer Urkunde aus 1135 auf. Es sind dies die Freien von Hagenberg (heute Hohenberg bei Aigen i. E.). Diese Familie dürfte schon längere Zeit auch ein salzburgisches Lehen in Liezen bewirtschaftet haben. 1139 bestätigte Erzbischof Konrad von Salzburg die Schenkung von Lehensgütern eines Regilo von Hagenberg zu Liezen und Strechau im Admontertal.
Freibauern - Klöster - Adel
Der Zehent war zu dieser Zeit der Pachtzins, den der Bauer seinem Gutsherren, dem Stift oder einem Herrscher, abzuliefern hatte. Doch nicht immer wurde auch tatsächlich der volle zehnte Teil des Ertrages an Feldfrüchten und an Vieh gefordert.
Doch um diese Lehen und Güter der Freien und der Klöster und des Adels ging es nicht immer friedlich zu. Bei Streitigkeiten verlor mancher Freibauer oder Adelige sein Lehen oder seinen Besitz. So erfahren wir von Wichner, daß 1150 in einer Versammlung vor der Kirche von Liezen Hartnid von Riegersburg nach einem Streit seiner Güter in der Ramsau entsagte - wahrscheinlich entsagen mußte. Diese Güter hatte er sich vermutlich widerrechtlich angeeignet. Als Zeugen dieser Verhandlung werden Ortholf und Swithart von Liezen genannt.
Erwähnt muß aber dabei werden, daß dieses "von" nur den Wohnsitz oder die Örtlichkeit der Besitzungen der Männer wiedergeben. Es ist nicht als Adelsprädikat späterer Jahrhunderte zu verstehen. Sicherlich ist die spätere Adelsbezeichnung "von" auf diese Weise entstanden.
Der Besitz des Klosters vergrößerte sich ständig. So schenkte 1163 Erzbischof Eberhard von Salzburg dem Stift Admont alle Zehente von Neubrüchen. Unter dem Wort "Neubruch" oder auch "Neuriß" sind Rodungen, also neu urbar gemachtes Land zu verstehen. Dies beweist, daß sich die Besiedlung und Urbarmachung unserer Heimat weiter ausbreitete und immer mehr bäuerlicher Besitz geschaffen wurde.
Die Klausen
In dieser vorgenannten Schenkung scheinen zum ersten Mal die Admonter Klausen auf. Für Liezen ist die einstige Reitthaler Klause von Bedeutung. Diese Klause war eine Befestigung, ein Bollwerk zum Schutz des Klosters. Sie lag nördlich der Enns und etwas oberhalb der heutigen Ennstalbundesstraße, eben an der Stelle, wo die Enns fast bis zur Straße heranreicht.
Bis vor Jahrzehnten war dort am Hang noch der Rest eines viereckigen Turmes zu sehen, von dem sich eine starke Mauer bis zur Enns zog. Am anderen, rechten Ufer zwischen Selzthal und Aigen bei Admont stand die gleiche Befestigungsanlage. Diese Verteidigungsbauten spielten in den folgenden Jahrhunderten eine große Rolle. Schenkungen wie die erwähnten wurden in der weiteren Zeit wiederholt und dem Papst vom Kaiser oder Erzbischof neuerlich bestätigt. In einem solchen Bestätigungsbrief des Papstes Alexander III. vom 2. 10. 1171 werden Zehenthöfe bei Treswiz (Treschmitz/Lassing) und Liuzen erwähnt. Als das Geschlecht der Landesherren, der Traungauer, auszusterben drohte, vermachte 1186 der letzte dieser Familie seinen Besitz den Babenbergern, den Herrn über Ober- und Niederösterreich, und ließ in einer Urkunde die Rechte seiner Dienstmannen und Ritter als für die neuen Landesherren verbindlich feststellen. Bischof Otto von Bamberg gründete 1190 nördlich des Pyhrnpasses ein Spital (Unterkunft oder Herberge) für Wanderer, die über diesen Paß zogen. Es ist klar, daß daraus der Name unserer nördlichen Nachbargemeinde wurde.
Vulgo Geier: 45 Denare und 4 1/2 Rinder
Als Beispiel, was damals an Zehentleistung zu erbringen war, sei erwähnt, daß von einer Mühle in Liezen im 13. Jahrhundert 1 Metzen (altes Getreidehohlmaß) Weizen, ein Schwein und 20 Denare (mittelalterliche Währung) als Steuern entrichtet wurden. Der Besitz vulgo Klausner in Liezen hatte 60 Denare, das Anwesen vulgo Geier 45 Denare und 4 1/2 Rinder und 300 Käse an Zehent zu entrichten.
Die weitere Besiedlung
In dieser Periode werden immer mehr die Hänge und die Seitentäler des Ennstales besiedelt. So dürften bei Liezen 1230 - 1265 "17 Neurisse" und weitere 12 in Pyhrn entstanden sein, die im landesfürstlichen Urbar (eine ältere Art Grundbuch) aufscheinen.
Die folgenden Jahrhunderte des Mittelalters sind oft durch den Streit um Macht und Besitz zwischen Kaiser, König, dem Adel und der Kirche gekennzeichnet. Das führte zu Fehden und Kämpfen, bei denen der Bauer meist der Geschädigte war.
Im Verlaufe solcher Zwistigkeiten hatte sich der Adel der Steiermark gegen die Macht des Babenbergerherzogs Friedrich II., des Streitbaren gestellt. Der Kaiser wurde eingeschaltet und machte die Steiermark zu einem Reichsland. Nach einer Versöhnung des Kaisers mit dem Babenbergerherzog kam das Land 1239 wieder unter dessen Herrschaft. Doch auch diese Oberhoheit währte nicht lange, denn schon nach dem Tode Friedrichs im Jahre 1246 wurde unser Tal wieder den Reichslanden zugegliedert und war also direkt dem Kaiser oder König unterstellt.
Vier Jahre vorher, am 6.4. 1242, hatte Herzog Friedrich der Streitbare die in der Steiermark gelegenen salzburgischen Lehen, darunter die Grafschaft Ennstal und das herzogliche Dorf Liezen bestätigt. Unser Heimatort scheint zu dieser Zeit mit der Schreibweise "Luetze" auf.
Machtkämpfe
Nach dem Aussterben der Babenberger - Friedrich II., der Streitbare fiel in der Schlacht an der Leitha gegen die Ungarn - kam es bald zu Streitigkeiten zwischen Adeligen, Lehensleuten und dem Stift.
Diese Wirren benützte Erzbischof Philipp von Salzburg um mit seinen Scharen ins Ennstal einzudringen und die Burg Strechau zu besetzen. Dort blieb er 3 Jahre, bis er schließlich vom Papst abgesetzt wurde. Diese Zeit, in der eine starke kaiserliche Macht fehlte, bezeichnet man als "Interregnum", die "kaiserlose Zeit". So versuchte bald der eine oder der andere hohe Herr, sich da und dort Land und Güter und damit Macht anzueignen. Die Verhältnisse in unserer eigenen Heimat waren nur ein Spiegelbild dessen, was sich in diesem Zeitabschnitt im ganzen "Heiligen römischen Reich deutscher Nation" abspielte.
Unter Ungarn und Böhmen
Damals interessierte sich bereits ein anderer Herrscher, Ottokar König von Böhmen, für unsere Heimat.
Er unterstützte den abgesetzten Erzbischof, wodurch sich wieder dieser ermutigt sah, seinen Gegen-Bischof Ulrich von Sekkau gefangen zu nehmen. In der Burg Wolkenstein bei Wörschach hielt er seinen Widersacher längere Zeit in Haft. Inzwischen war - durch eine geschickte Diplomatie vorbereitet - 1254 die Steiermark unter die Herrschaft des Ungarnkönigs Bela gekommen. Diese Herrschaft war sehr kurz, denn schon 1260 wird König Ottokar von Böhmen auch Herrscher über unser Land.
Burg Gallenstein
1265 wird schon die Proke (Brücke), gemeint ist die Röthelbrücke, genannt. Rudolf von Habsburg, der spätere erste Habsburger auf dem Kaiserthron, gestattete 1278 dem Abt Heinrich II. von Admont, Verteidigungsbauten auf Klosterbesitz zu errichten und bestätigte auch die freie Gerichtsbarkeit des Stiftes innerhalb der Klause. Das war eine Maßnahme, bei der man sich an die Wirren und Kriegshandlungen der kaiserlosen Zeit erinnerte und Vorsorge für später treffen wollte. Der Sohn Rudolfs, Herzog Albrecht, war ein Freund des Abtes. Deshalb fielen bald die gegen den Herzog verbündeten Bayern und Salzburger ins Ennstal ein, um sich am Abt zu rächen. Doch noch zu Weihnachten 1288 kam Albrecht mit seinen Truppen über den tiefverschneiten Pyhrnpaß und setzte ihrem Vordringen ein Ende.
Diese Kämpfe wiederholten sich bald. Neben den Klausen wurde auch bei St. Gallen die Burg Gallenstein als Schutz- und Fluchtburg errichtet.
Seuchen und Gewalt
Im Zuge der Bemühungen Albrechts, wieder Ruhe und Ordnung herzustellen, mußten Otto und Wulfing von Ehrenfels am 1. 9. 1289 auf die unrechtmäßigen angeeigneten Besitzungen, Zehente und Lehen, (eines in Liezen selbst) verzichten. Abt Heinrich von Admont erhielt-wahrscheinlich als Dank für seine Unterstützung - nach einer Urkunde vom 2. 9. 1291 endgültig die landesfürstlichen Waldungen am Salberg in Liezen.
Bereits 1292 kam es neuerlich zum Einfall der Salzburger und Bayern. Sie eroberten diesmal, vom Erzbischof Rudolf, Grafen von Hoheneck befohlen, Rottenmann und Admont. Das Stift wurde geplündert. Der Abt konnte mit den Klosterschätzen in die Feste Gallenstein fliehen. Daß solche Übergriffe wieder Repressalien und Strafsanktionen in Form von weiteren blutigen Kämpfen auslösten, gehörte fast zur Selbstverständlichkeit.
Als sich Otto, König von Bayern, gegen Herzog Friedrich I., den Schönen (später Kaiser) empörte, zog 1310 der Landeshauptmann Ullrich von Wallsee mit seinen Mannen durch das Ennstal gegen Salzburg. In diesen Jahrzehnten von Wirren und Gewalttaten wurde die Bevölkerung unseres Landes ständig beunruhigt. Der mehrfache Durchzug von Freund und Feind hat den Menschen viel Leid und Kummer bereitet. Seuchen und Krankheiten taten das Ihre.
Weiszenpach und (Pürg)-Schachen
Von unseren Nachbargemeinden wissen wir, das 1339 ein "Weiszenpach bei Wolchenstein (Wolkenstein)" genannt wird. Rottenmann war damals schon eine Stadt mit starken Mauern. Herzog Albrecht II. von Österreich mußte am 1. 7. 1351 zu Wels einen Streit zwischen den Edelleuten des Ennstales und den Bürgern von Rottenmann schlichten. So konnten dann Tuch und Leinwand nur in Rottenmann, Honig, Wolle, Felle und vieles andere zu drei Viertel in dieser Stadt verkauft werden.
1386 wütete die Pest in unserem Tal und forderte viele Opfer. Diese schreckliche Seuche hatte auch den Beinamen "der Schwarze Tod".
Von der Klause in Reitthal erfahren wir, daß zu dieser Zeit der erste Pfleger (Verwalter) Georg Danner war, der am 1. 5. 1391 vom Abt Hartnid "die Klause vor dem Schachen" (davon stammen die Vulgonamen Schachner in Reitthal und die Ortschaft Pürgschachen) zugewiesen erhielt.
1470: Kopfsteuer gegen die Türken
Im Jahr 1455 wurde in Rottenmann ein weiteres Kloster, das Chorherrenstift, gegründet, welches auch in Liezen Besitzungen hatte.
Auch in diesem Jahrhundert waren der Bürger und der Bauer nicht von Steuern verschont. Kaiser Friedrich III. sah sich 1470 gezwungen, eine "Kopfsteuer" einzuführen, die jeder, gleich ob arm oder reich, leisten mußte. Es gab nur Abstufungen je nach Einkommen. Damit sollten die Mittel zur Abwehr der Türken aufgebracht werden. Die Türken bedrängten in diesen Jahrzehnten sehr oft die Steiermark, die man sehr zutreffend als des "Heiligen römischen Reiches Hofzaun" bezeichnete. Vier Jahre später wurde diese Steuer in "Wochensteuer" umbenannt.
Bei einem Einfall der Türken bis in die Obersteiermark blieb glücklicherweise Liezen verschont. Die wilden Scharen der osmanischen "Renner und Brenner" kamen im August 1480 bis vor die Stadt Rottenmann und die Burg Strechau. Auch die Pest trat in diesen Jahren auf, verschwand zeitweise, um später wieder aufzutreten.
Liezen in den Bauernkriegen
1478 wird erstmals von Bauernerhebungen berichtet, doch genauere Angaben fehlen.
Der Bauer war im Mittelalter vom ursprünglichen Freien und den Boden urbarmachenden Mann immer mehr in die Abhängigkeit der Grundherrschaft gekommen. Da neben den weltlichen Herrschern, dem Adel und Fürsten und Königen, auch die Kirche und die Klöster große Besitzungen hatten. war es verständlich, daß sich Bauern und Bergknappen vielfach der neuen Lehre des Protestantismus zuwandten. Eine Unruhe erfaßte diese Bevölkerungsschichten und bald stellten Anführer des Luthertums Leitgedanken zur Besserung der Lage der Bauern auf. Die erhobenen Forderungen umfaßten religiöse Vorstellungen, wie die Messe in der Muttersprache und die Wahl des Priesters durch die Kirchengemeinde. In wirtschaftlicher Hinsicht wurde die Befreiung aus der Obrigkeit der Grundherren verlangt. Es waren also wirtschaftliche und soziale Forderungen, die es hier dem Protestantismus ermöglichten, bald Fuß zu fassen.
Stift Admont geplündert
Der 1525 ausbrechende große Bauernaufstand, der aus dem salzburgischen Pongau über Schladming auf das Ennstal übergriff, wandte sich gegen die Klöster und Burgen des Adels. Dieses Bauernheer - es sollen fast 10.000 Mann gewesen sein - zog über Rottenmann, das es besetzte, bis zum Schoberpaß. In diesem Raum überfielen die Bauern den mit Truppen heranrückenden Landeshauptmann Freiherr von Dietrichstein.
Von einem Teil dieses Bauernheeres wurden unter Hauptmann Reustl die Klausen an der Enns erobert und das Stift Admont geplündert. Der Abt und seine Priester mußten auch diesmal in die Burg Gallenstein fliehen.
Sieg und Niederlage
Dietrichstein zog dann doch noch weiter nach Norden und eroberte wieder Rottenmann. Voll Sicherheit, des Aufstandes bald Herr zu werden, rückte er mit seinen Truppen das Ennstal aufwärts nach Schladming. Den Sieg zum Greifen nahe, wurde er aber am 3. Juli 1525 von den Aufständischen überfallen und Schladming fiel in die Hand des Bauernheeres. Ein Denkmal am Hauptplatz in Schladming erinnert heute noch an diesen Sieg der Bauern und Bergknappen.
Die Vergeltung kam unter dem Feldhauptmann Niklas Graf Salm. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und Schladming niedergebrannt. Daß die Bevölkerung des Tales unter diesen Kämpfen sehr zu leiden hatte, ist selbstverständlich. Grausamkeiten wurden von beiden Seiten der Kämpfenden begangen.
16. JAHRHUNDERT Die Reformation
Das nächste Jahrhundert war durch die Reformation in unserer Heimat gekennzeichnet.
Friedrich Hofmann trat 1487 als Pfleger von Wolkenstein und Mautner (Mauteinnehmer in Rottenmann in das Licht der Geschichte. Durch Heirat und Kauf erwarb er die Herrschaften Grünbichl bei Rottenmann und Neuhaus. Seine Söhne vermehrten den Familienbesitz und wurden 1535 Freiherren. Einer dieser Söhne, Hans Hofmann spielte zur Zeit der Reformation in unserer Heimat eine ganz bedeutende Rolle. Neben den katholischen Priestern traten bald "lutherische" Prediger auf und hielten den Gottesdienst nach ihrem Ritus.
Eine Gegenaktion war vorerst die 1528 angeordnete Kirchenvisitation zu Rottenmann, zu der auch die Pfarren Lassing, Irdning, St. Lorenzen, Oppenberg und Liezen berufen wurden. Ein Prädikant (protestantischer Prediger) namens Christoph wurde mit 10 Wochen Kerker bestraft.
Neben dem Luthertum hatten auch die Lehren Zwinglis und der Wiedertäufer einige Anhänger im Tal gefunden, doch diese Gruppen traten kaum in Erscheinung.
Schrechsmelius und sein Diakon
Hans Hofmann, der Sohn des früheren Pflegers von Wolkenstein und Mautners in Rottenmann, Friedrich Hofmann, wurde 1535 Freiherr und bald der Führer und große Schirmherr des Protestantismus im Enns- und Paltental.
Das Volk gab ihm und seinem Bruder Friedrich den Namen "Könige des Ennstales". Man sprach fast schon von einem "Hofmann'-schen Glauben", anstatt des Protestantismus. Die mächtige Familie Hofmann nahm 1538 die Besitzungen der Lassinger Pfarre und auch der Kirche zu Liezen in Anspruch. Der Vorwand dazu war ein Steuerrückstand von 300 Gulden. Ein Magister (Professor) aus Regensburg, mit Namen Schrechsmelius, wurde als protestantischer Pfarrer in Lassing eingesetzt. Dessen Hilfsdiakon predigte in Liezen. Es war ein kleiner Investiturstreit (die Besetzung kirchlicher Ämter durch eine weltliche Obrigkeit), der sich hier abspielte. Doch damit begnügte sich dieser zeitweilige Herrscher des Tales nicht. Auch das Eisen, das am Salberg gewonnen wurde, beanspruchte er. Er besaß ja an anderen Orten Silber- und Kupfergruben, die seinen Reichtum mitausmachten, und dazu brauchte er das schon damals knappgewordene Eisen.
Die Salzsteuer
Die Steuerlast der bäuerlichen Bevölkerung nahm zu dieser Zeit stark zu. Bedingt durch die ständigen Kriege des Kaisers gegen die Türken wurde 1541 eine allgemeine Salzsteuer eingeführt. Dadurch erhöhte sich der Preis für einen Fuder (Wagenladung) Salz von 31 auf 50 Pfennige. Doch schon im folgenden Jahre wurde die Grundbesteuerung vorgeschrieben, die in abgeänderter Form auch Heute noch besteht.
Diese Steuer wurde nach Schätzwerten errechnet. So mußte ein mittlerer Bauer für seine Grundstücke 80 Pfund, für 2 Pferde 8 Pfd., für 2 Ochsen 5 Pfd., für 3 Kühe 3 Pfd., für 2 Kälber, sowie für 8 Schweine je ein Pfund zahlen. Das machte zusammen 98 Pfund aus. Dabei wurde der Grund geringer und der Viehbestand höher besteuert. Da aber auch zu dieser Zeit schon die Viehzucht in unserem Tal sehr bedeutend war, ergaben sich starke Belastungen für den Bauernstand.
Die Herrschaft Hans Hofmanns über unsere Heimat bestand noch längere Zeit. Er behielt auch die Einkünfte aus den von ihm beherrschten Pfarren und zahlte den Prädikanten ein Gehalt. Seine Macht war groß und es fehlte nicht an Übergriffen gegen seine Untertanen. Vielfach wurden Beschwerden laut, aber gegen die Macht des Hofmann war scheinbar nichts auszurichten. Der Probst von Rottenmann, Ulrich Lang, früher Stadtpfarrer zu Graz, schilderte oft dem Erzherzog Karl von Steiermark seine Lage, da dies nichts nützte, legte er 1584 seine Würde nieder.
Unterdessen stellte Hofmann auch in Mautern und Kalwang evangelische Prediger ein. Als diese von der Bevölkerung vertrieben wurden, setzte Hofmann unter Gewaltanwendung einfach andere Prediger an ihre Stelle.
An anderen Orten bekannten sich stiftische Untertanen und Beamte zum Protestantismus und besuchten die Gottesdienste der Prediger. In Liezen war 1579 ein Georg Kapp als Prädikant angestellt, der in einem Schreiben Hofmann bat, ihm seine Wohnung herzurichten.
Kreidfeuer
Die andauernde Bedrohung der Steiermark durch die Türken, verlangte den Ausbau eines Warnsystems. Ein wichtiges Nachrichten- und Alarmmittel, das die drohende Gefahr anzeigte, war das Kreidfeuer. Aber nicht nur Feuerzeichen sind darunter zu verstehen, auch die Alarmierung durch Kanonenschüsse oder Glockenzeichen sollten ankündigen, daß sich die Bevölkerung in die Burgen und die wehrhafte Mannschaft zu den Sammelplätzen zu begeben habe.
Im 16. Jahrhundert waren Wolkenstein und Neuhaus (Trautenfels) solche Kreidfeuerstationen.
Jäger und Diebe
Auch die Jagd und die Hege des Edelwildes spielte damals schon eine große Rolle. Neben dem Edelwild gab es ja noch Raubtiere, die ihm schwer zusetzten, Wölfe, Luchse und sogar Bären.
Nach einem strengen, aber schneearmen Winter 1545/46 hatten sich Wölfe und Luchse stark vermehrt. Durch Gesetze wurden Entlohnungen für das Erlegen dieser Raubtiere angeordnet. Wer gar einen Bären tötete, hatte das Recht, mit seiner Beute von Haus zu Haus zu gehen und Trinkgelder entgegenzunehmen. Dieser Brauch bewies, wie dankbar man war, wenn wieder ein so gefährlicher Feind des Wildes, des Viehs und vielleicht auch des Menschen unschädlich gemacht war.
Auch gegen Wilddiebe ging man scharf vor. Ein Erlaß aus 1546 besagte, daß diese in "guten Gefängnissen" - gemeint war ausbruchsicher - zu verwahren seien.
17. JAHRHUNDERT Die Gegenreformation
In dieser Zeit erwähnt eine geistlich - weltliche Kommission zu Admont die "gelockerte Disziplin" und die überall festzustellende Förderung des Luthertums. Dabei wurde ein Forstmeister genannt, der schon 16 Jahre im Dienst des Stiftes stehe und trotzdem zum Prediger in Liezen gehe. Bald trat mancher dieser hohen und höheren Herren wieder zur katholischen Kirche über. Vom admontischen Sekretär und Amtmann Lukas Windhager wissen wir dies. Der Prädikant in Liezen überhäufte ihn dafür mit Vorwürfen.
Immer stärker setzte eine umfassende Gegenaktion ein. Galt es doch nicht nur den "alten Glauben" wieder zu verkünden, sondern auch Kirchenbesitz und Güter wieder zurückzugewinnen. Abt Johannes IV. von Admont und der Verwalter von Wolkenstein, Primus Wenzel, versuchten 1587 das Vikariat Luetzen auf Befehl des Erzherzogs "zurückzustellen", also wieder unter katholische Leitung zu bringen. Vor der Wut der aufgebrachten Menge aber mußten sich rasch in Sicherheit bringen.
Das Jammertal
Zeitmäßig steht dieser Versuch mit der Abwesenheit des Freiherren Ferdinand von Hofmann in Zusammenhang. Dieser bekleidete in Prag das Amt eines Hofkammerpräsidenten. Er hatte in Nordmähren Güter erworben und auch Gelegenheit, sich dem Bergbau, einer der Quellen des Reichtums dieser Familie, zuzuwenden. Ein Aufenthalt und ein Wirken in der Steiermark wurde ihm auch immer mehr durch die protestantenfeindliche Haltung des Grazer Hofes erschwert. Er resignierte und übergab schließlich am 1. 1. 1594 seine Rechte an die Pfarren Lassing, Oppenberg und Liezen, dem Land Steiermark.
Der langjährige evangelische Pfarrer von Admont - Liezen (1935 - 1972) Erich Schuster, Ehrenringträger der Marktgemeinde Admont, weiß in diesem Zusammenhang von einem Brief zu berichten, den die Gemeinschaften Liezen, Lassing und Oppenberg am 31. 8. 1599 an den Landmarschall schrieben:
"Wir arme, einfältige Leut', die wir im Schweiß unseres Angesichts gar hart unser Brot suchen und die ganze Woche arbeiten, wenn wir dann des Sonntags von unserm Werke ausruhen, so haben wir diesen Trost daß wir vor allen Dingen die Ehre Gottes betrachten und unser Seelenheil suchen, sonst haben wir uns des Feiertags und unserer Arbeit wenig zu trösten, denn wir haben in diesem Jammertal keinen anderen Sabbath als Gottes Wort und den Gebrauch der heil. Sakramente, davon können wir uns nicht drängen lassen."
Die nun neueinsetzenden Bemühungen, den Katholizismus in unserer Heimat wieder zu festigen, stießen immer noch auf den Widerstand eines Teiles der Bevölkerung. Um 1600 gelang dies allmählich. Es wurde aber dennoch berichtet, daß in Liezen, Lassing und vielen anderen Orten noch zahlreiche halsstarrige Knappen und Bauern seien, die sich nicht bekehren ließen. Die ausgesandten Priester oder Laienprediger sahen sich abermals Bedrohung und Ablehnung gegenüber.
Doch zu den letzten religiösen Auseinandersetzungen kamen bald andere Aufregungen. Aus dem Raum Passau und von Oberösterreich zogen plündernde Söldner in die Steiermark. Erzherzog Ferdinand schickte 100 Musketiere zum Schutze der nördlichen Grenzgebiete. Am Pyhrnpaß wurden bereits Vorbereitungen für eine Verteidigung getroffen. Auch "Feldstücke" - so wurden Kanonen damals genannt - sollten herangebracht werden.
1619 - 1623: Inflation
Der 30-jährige Krieg verschonte glücklicherweise unser Tal. Aber eine Inflation blieb unserer Bevölkerung nicht erspart. 1619 bereits wurden "schlechte" Münzen geprägt, um die ansteigenden Kriegskosten decken zu können. Der Wert des Reichsthalers stieg bald von 100 auf 135 und schließlich bis auf 300 Kreuzer.
1623 kam es zu einem Münzsturz. Das schlechte, minderwertige Geld wurde zu einem Sechstel bis zu einem Achtel des Nennwertes der alten Münzen eingetauscht. Für das Volk war dies eine Einbuße von 86 % des Bargeldes.
Doch die Glaubenskämpfe in unserem Tal dauerten fast noch das ganze 17. Jahrhundert an. 1625 zog eine Religionskommission durchs Ennstal und berichtete über Liezen, daß diese Pfarre nur zu einem Drittel katholisch sei.
Noch einmal hören wir von der einst so mächtigen Familie Hofmann. Wegen Teilnahme am Aufstand böhmischer Adeliger verloren die Hofmanns ihre Besitzungen in Böhmen und Mähren. 1629 verkaufte die Letzte dieses Geschlechts, Freifrau Judith von Jörger, die Herrschaft Strechau um 95.000 Gulden an das Stift Admont und kurz darauf das Schloß Grafenegg an einen neuen Besitzer. Zehn Jahre später kaufte das Stift auch dieses Schloß.
Friedlich zum 18. JAHRHUNDERT
Nach einer relativ langen friedlichen Zeit in unserer Heimat war 1683 das Jahr der letzten Türkeneinfälle. Das Ennstal befand sich diesmal in der glücklichen Lage, nicht direkt in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Nur die Aufgebote an wehrfähigen Männern hatten die Pässe zu bewachen. Mit dem Sieg über die Türken vor Wien war die jahrhundertelange Bedrohung unserer steirischen Heimat endlich vorüber.
Während des spanischen Erbfolgekrieges zu Beginn des 18. Jahrhunderts erlangte die "Obere (Reitthaler) Klause" Bedeutung. Abt Marian läßt sie wieder mit Truppen besetzen, um den Feind aufhalten zu können. Doch dies blieb eine Vorsichtsmaßnahme.
Adelige Landflucht
1711 wurde ein drittes Kloster in unserer Umgebung gegründet. Graf Welserheimb stiftete das Kapuzinerkloster Falkenburg bei Irdning. Die Pest suchte unsere Bevölkerung in den Jahren 1714 - 16 heim. Der Adel verließ seine Landschlösser und zog in die Städte. Die ältesten Adelsschlösser in unseren Städten stammen aus dieser Epoche.
In Liezen bestand Jahrhunderte hindurch ein Brauhaus, Ausseer Straße 23. Aus einem Protokoll aus dem Jahre 1726 erfahren wir, daß Herr Benedikt Wallner "Bierpreymeister", Landrichter und Amtmann zu Liezen gewesen ist.
Die Einleger
Von einer alten Art der Fürsorge hören wir auch aus dieser Zeit.
Es ist dies das "Einlegerwesen", das darin bestand, daß Arme und nicht mehr arbeitsfähige Mitbürger den Hausbesitzern, Bürgern oder Bauern zur Verköstigung und Unterbringung zugewiesen wurden. Nach der Größe des Besitzes richtete sich die Zeit, in der diese Bedauernswerten verpflegt und beherbergt werden mußten. Ein sehr trauriges Los für jene Menschen. Dieses Einlegerwesen wurde in unserem Tal noch bis vor einigen Jahrzehnten angewandt, bis es durch die heutige Fürsorge ersetzt wurde.
18. JAHRHUNDERT: Die Zeit der Reformen
Die Regierungszeit Maria Theresias (1740 - 1780) brachte viele Reformen und Neuerungen. So geht der Beginn des Schulwesens in Liezen auf diese Aera zurück.
1748 wurden Kreisämter errichtet. Liezen gehörte zum Judenburger Kreis. (Die Bezeichnung Kreisgericht stammt aus dieser Zeit.)
Die finanzielle Lage der Bauern war, bedingt durch das Untertanenverhältnis, sehr schlecht. Was so im Einzelnen an Zehent und Abgaben zu zahlen war, sagen uns die herrschaftlichen Urbasien. Meist mußten Getreide, Rinder, Schweine, Eier, Hülsenfrüchte und Flachs, auch Heu oder Grummet abgeliefert werden.
Zwischen 1590 -1750 war die Steuerleistung auf das Vierfache gestiegen. Um nun Ordnung in die Besteuerungsverhältnisse zu bringen, wurde unter Maria Theresia der "Rustical Kataster" aufgelegt, in dem besonders die verschiedenen Verwendungsarten der Felder aufschienen. Vermessungen waren aber damals noch nicht vorgesehen.
Noch immer bemühten sich kirchliche und weltliche Stellen, die letzten Protestanten zu bekehren. Der Jesuitenorden hatte sich zum Ziel gesetzt, den katholischen Glauben überall wieder einzuführen. Die Protestanten, die sich nicht bekehren ließen, mußten auswandern. 1755 hielten die Jesuiten im ganzen Land Missionen ab und verteilten Bücher religiösen Inhalts.
Doch auch im Justizwesen änderte sich viel. Die Folter wurde abgeschafft und die Todesstrafe nur mehr für schwere Verbrechen verhängt.
Rauchen im Stall verboten
Das Armenwesen (Fürsorge) erfuhr 1784/85 eine weitere Änderung. Bei den Pfarren wurden "Armeninstitute" geschaffen. Eine Zusammenarbeit mit den weltlichen Behörden, den Gemeinderichtern oder Amtmännern war die selbstverständliche Ergänzung.
1784 wurde eine Grundvermessung in Angriff genommen und diese dauerte 4 Jahre. Doch noch unterblieb eine Mappierung, das planmäßige Aufzeichnen der Grundstücke, ihrer Lage und ihrer Grenzen.
Ein Erlaß aus 1792 verbot schärfstens das Rauchen und die Verwendung des offenen Lichtes in Stallungen und Scheunen. Vermutlich waren mehrere Brände der Grund für diese Maßnahme, für deren Mißachtung strenge Strafen angedroht wurden.
Zu den Reformen Maria Theresias ist auch die Verbesserung der ärztlichen Versorgung des Volkes zu zählen. Den "Wundärzten" auf dem Lande wurden jeweils einige Dörfer zur ärztlichen Betreuung der Bevölkerung zugewiesen. Das war der Anfang eines öffentlichen Sanitätsdienstes. Diese Ärzte unterstanden der Aufsicht des Distiktsarztes und des Bezirksarztes (heute Amtsarzt).
Gott segnete die Laster
Ganz interessant ist es, zu hören, was ein höherer Beamter über die Ennstaler 1772 berichtet: "Die Leute sind stark, wohlgewachsen und erwerbstüchtig; sie handeln mit Vieh und Getreide nach Kärnten und Salzburg, mit Leinwand nach Italien. Die meisten Männer und Weiber können lesen und sind beredt, sie lieben den Gesang über alles und den Tanz beginnen sie schon um 11 Uhr vormittags, Polizeigesetze kennen sie fast keine, jeder tut, was ihm gefällt. Das Laster der Unlauterkeit ist allgemein, man kann bezweifeln, ob die sich ausbreitende Ketzerei mehr von den verderbten Sitten oder diese aus der Ketzerei entspringen. Dabei rühmen sich die Lutheraner, ihr Glaube müsse doch der Rechte sein, sonst würde Gott sie nicht mit Reichtum segnen."
Das sind keinesfalls nur Schmeicheleien über den Ennstaler, doch ging es ja nicht um einen Werbeprospekt für den Fremdenverkehr, sondern um die Tatsache, daß man sich nicht ganz sicher war, ob es da oder dort noch einen Geheimprotestantismus oder Menschen gab, die sich offen dazu bekannten. Erst das Toleranzpatent 1781 unter Kaiser Josef II. verhinderte jeden religiösen Zwang.
19. JAHRHUNDERT: Es begann mit den Franzosen
Die schwere Epoche der Napoleonischen Kriege war angebrochen. 1800 - 1801 erschienen erstmals französchische Truppen im Ennstal. Es folgten harte Zeiten, denn wenn auch unsere engere Heimat von Kampfhandlungen verschont blieb, so zogen doch oft Freund und Feind durch den Ort Liezen.
Im Jahr 1810 war eine österr. Jägerdivision (2 Kompanien) in Liezen untergebracht. Die Soldaten dürften bald Kontakt mit der Bevölkerung bekommen haben, denn die Pfarrmatrik weist Eheschließungen mit Angehörigen dieser Einheit auf.
Kaum waren die Franzosenkriege vorbei, gab es 1815 Überschwemmungen und Mißernten. Eine große Teuerung kam dazu und fast alle Teile der Bevölkerung hatten finanzielle Sorgen.
Unter Kaiser Franz I. wurde in den Jahren 1817 - 1824 ein neuer Grundkataster angelegt. Die Besteuerung der Bauern war dabei eine sehr mäßige. In diesem, nach dem Kaiser Franz I., benannten "Francisceischen Kataster" wird 1820 die Steuergemeinde Liezen, Steuerbezirk Liezen, Kreis Judenburg, wie folgt beschrieben:
3790 Joch, 456 Klafter. Geldbetrag 10.135 fl. - kr. 3 Pf. Funktionäre: Michael Lackner, Gemeinderichter, Josef Mayr, Johann Strobl, Franz Mooshammer, Georg Frosch und Jakob Dunkl, als Ausschüsse.
Unter diesen Herren ist noch keineswegs ein Gemeinderat zu verstehen. Es war dies die Schätzungskommission, die unter der Leitung des Gemeinderichters die Bewertung der Grundstücke vornahm. Der Gemeinderichter war das erste örtliche Verwaltungsorgan, der Vorläufer der späteren Bürgermeister in den Landgemeinden.
Die Gemeinde Pyhrn (erst seit 1941 mit Liezen vereinigt) hatte laut diesem Kataster eine Fläche von 2240 Joch, 940 Klafter und einen Ertrag von 3.248 fl, 2 kr. Als Gemeinderichter wird Anton Lindmayr genannt.
Liezen erhielt am 21. 12. 1831 das Recht, an jedem 2. Montag im Oktober einen Viehmarkt abzuhalten. Dieser Markttag ist bis in unsere Zeit geblieben, nur ist es lediglich ein Krämermarkt.
Ein gebürtiger Liezener, Franz Ignaz Müller, trat 1841 in das Stift Admont ein. 1869 wurde er als Zeno Müller der 60. Abt dieses Klosters.
Geschichtlicher Auftrag: Liezen als Zentrum
Liezen war seit Menschengedenken ein wichtiger Stützpunkt für Handel und Verkehr. Es gab viele Gasthöfe mit vielen Pferden und großen Stallungen. Die Fuhrwerke, die über den Pyhrnpaß weiterfahren mußten, waren auch auf "Vorspann" - also zusätzliche Zugpferde - angewiesen.
Viele Waren wurden hier umgeladen. Das geschah am Dorfplatz östlich der Kirche. Die Fuhrleute waren weitgereiste Leute und die Übermittler von Nachrichten. Es werden auch öfters große Aufschneidereien gewesen sein, die da den begierig lauschenden Zuhörern erzählt wurden. Dabei übernahmen die Fuhrleute auch Aufträge und Sendungen für Gebiete, durch die sie kamen. Bei den Waren, die ins Ausseerland oder noch weiter befördert wurden, war meist Salz die Ladung für die Rückfahrt.
Alkoholisches
Als alter Gasthof wird 1561 die "Schaffertaverne", (heute Gasthof "Goldener Hirsch", Ausseerstr. 7) - genannt nach ihrem ersten Pächter - erwähnt. Aus einem Kaufbrief im Admonter Archiv aus 1556 ist zu entnehmen, daß Lienhard und Kunigunde Mesenhuber diesen Gasthof erworben haben. Dieser Hof war aber weiterhin dem Stift Rottenmann zinspflichtig. Auch andere "Herbergen", gemeint sind natürlich Gasthöfe, sind aus dieser Zeit bekannt, die verschiedenen Herrschaften untertan waren.
Liezen hatte neben vielen Gasthäusern auch schon beachtliche Handwerksbetriebe. Die meisten waren natürlich solche, die in einem Ort an der Durchzugsstraße benötigt wurden, wie etwa Wagner, Schmiede, Sattler und dergleichen. Aber auch Waffenschmiede gab es, denn im steirischen Zeughaus zu Graz befinden sich "Doppelhaken mit Luntenschloß", die von den Liezener Waffenschmieden Georg Oertl und Hans Freiseisen stammen.
1767 wurde der Ausschank von Branntwein untersagt. Als Begründung wurde angegeben, daß durch den Branntwein Sittenlosigkeit, Verarmung und Krankheiten hervorgerufen wurden. Wenn ein Wirt nun weiter dieses verbotene Getränk verkaufte, wurde er bestraft. Dies hatte zur Folge, daß sogenannte "Winkelschenken" eingerichtet wurden. Wer in einer solchen Schenke gefaßt wurde, erhielt 3 Tage Arrest.
Pferde in Massen
Ein gewisser Dr. Franz Sartori schreibt in seinen Reiseerzählungen, die 1811 in Wien erschienen sind, über unseren Heimatort: Liezen ist eines der größten und schönsten Dörfer des Landes. Er nennt auch die von Liezen ausgehenden Straßen, besonders die Salzstraße und bezeichnet sie als "Hauptcommercialstraße", d. h. wichtigste Handelsstraße. "Die Bewohner dieses Ortes" -so führt er weiter aus - "leben meist von den Fuhrleuten, die hier durchziehen. Der Pferdehandel ist der wichtigste Handelszweig in Liezen."
In der Mitte des 19. Jahrhunderts beweist sich noch ganz besonders die Bedeutung Liezens als Handels-, Durchzugs- und Umschlagsplatz. Liezener Bürger machten Fuhr- und Speditionsdienste. Besonders bekannt war der Spediteur Franz Moßhammer (später Hotel Fuchs, Hauptstraße 4). Von Triest und Kärnten wurden Baumwolle und andere Textilien, Öl, Zucker, Wein und Südfrüchte, sowie viele andere Waren, nach Liezen geführt. Von hier erfolgte der Weitertransport über den Pyhrnpaß nach Kirchdorf, Steyr, Wels und Linz und oft weiter bis Böhmen. Auch andere Liezener Familien befaßten sich damit und hatten oft bis zu 20 Pferde unterwegs.
1848: Liezen wird Verwaltungsmittelpunkt
1843 besaß Liezen bereits ein Postamt, eine Finanzwache, eine Straßenbaukommission (heute etwa die Baubezirksleitung Liezen), ein Physikat (Amtsarzt) und ein Bezirkskommissariat - die erste Bezirksverwaltungsbehörde. Daneben zählte man schon zahlreiche Gewerbe und Handwerksbetriebe. Manches Gewerbe war weit stärker vertreten als heute. Manches ist heute überhaupt nicht mehr vorhanden, wie Lederer, Pfannen- und Rohrschmied, Hakenschmied, Hutmacher, Müllner und Bierbrauer. Gastwirte gab es 19.
Im Revolutionsjahr 1848 protestierten Liezener, Pyhrner- und Weißenbacher Bauern gegen die Einhebung eines Zehents durch das Eisenwerk Pyhrn. Es wurde Militär angefordert, doch bis es kam, war schon wieder Ruhe eingekehrt.
1848 wird neuerlich das Bezirkskommissariat erwähnt. 2 Jahre später heißt diese Behörde Bezirksamt.
Die Bezirkshauptmannschaft
Für den Bauern brachte das Sturmjahr 1848 bald die Befreiung vom Untertanenverhältnis. Die Rechte der Grundherren wurden durch Entschädigungsbeträge abgelöst. Damit war auch die Verpflichtung zu Zehent- und Robotleistungen gefallen.
Als 1849 österreichisches Militär von Italien heimkehrte, marschierte auch das Linzer Hausregiment durch Liezen. Es gab viele Fußkranke, die der kk. Distriktsphysiker (heute Distriktsarzt bezeichnet) Dr. Johann Mezler von Andelberg unentgeltlich behandelte. Dies wurde in einem Dankschreiben der "Bezirksobrigkeit" vom 24. September 1849 lobend hervorgehoben. Seit 1850 besteht in Liezen ein Gendarmerieposten.
Die Bezirksverwaltung änderte noch dreimal ihre Bezeichnung. Erstmals hören wir von einer Bezirkshauptmannschaft, 1854 nennt man es wieder Bezirksamt und erst ab 1867 endgültig Bezirkshauptmannschaft. Liezen erhielt in jenen Jahren auch eine Gerichtsbehörde, vorerst als "Untersuchungsgericht" bezeichnet.
Das Finanzamt kam als weitere Behörde nach Liezen, es ersetzte die frühere Sammlungskasse.
1873 wurde Dr. Viktor Fossel Bezirksarzt in Liezen. Er beschreibt in seinen Memoiren unser Liezen, das damals noch scherzhaft als "Stangenreiterdörfel" bezeichnet wurde (eine Anspielung auf die Fuhr- und Vorspanntätigkeit vieler Liezener). Der durchziehende Fuhrmann war noch eine hochangesehene Persönlichkeit.
Die Anwesenheit der Behörden und Ämter läßt Liezen - so berichtet Dr. Fossel weiter - über die soziale Stufe der Nachbarorte hinaus wachsen. Beim Schildern seiner Dienstreise beklagt sich der Bezirksarzt über den Mangel an Bahnverbindungen. So mußten die meisten Strecken zu Fuß oder mit Pferdewagen zurückgelegt werden.
In Liezen lebten zu dieser Zeit viele Beamte der Ämter und Behörden, aber auch zahlreiche Ingenieure, die am Bahnbau beschäftigt waren, weilten hier. Dr. Fossel betont, daß damals in Liezen viel Geselligkeit herrschte. Der Stammtisch dieser Gesellschaft befand sich im "Gasthof Post" (Ausseerstraße 9).
1876 stellte die Gemeinde dem "kk Eichamt" vertraglich ein kleines Gebäude zur Verfügung. Dieser Vertrag und das Eichamt hinter dem Rathaus bestanden bis vor einigen Jahren.
Seit 1848 amtierten in Liezen folgende Bezirkshauptleute:
1848 - 1851 Franz Schmidt 1851 - 1855 Johann Gratz 1855 - 1857 Cajetan Sermonet 1857 - 1860 Dr. Joseph Weller 1860 - 1864 Friedrich Gaullauner 1864 - 1868 Josef Puchner 1868 - 1870 Franz Stähling 1870 - 1875 Franz Vogl 1875 - 1880 Alfons Pavich v. Pfauenthal 1880 - 1887 Martin Hofer 1887 - 1891 Anton Klement 1891 - 1901 Franz Freiherr von Braun 1901 - 1903 Dr. Boleslav v. Matlachowski 1903 - 1904 Rudolf Graf v. Schönfeld 1904 - 1905 Josef de Villavicensio 1905 - 1912 Viktor Ritter v. Geramb 1912 - 1913 Ludwig de Felsö-Eör Benedek 1924 - 1925 Eduard Henninger 1925 - 1929 Dr. Schmied-Luisingen 1929 - 1932 Dr. Franz Fina 1932 - 1933 Dr. Hugo Emmert 1933 - 1938 Dr. Josef Tieber 1938 - 1943 Dr. Alexander Kapper 1943 - 1945 Josef Balzer 1945 - 1946 Dr. Otto Fürböck 1946 - 1947 Hofrat Dr. Curt Fossel 1947 - 1974 Hofrat Dr. Otto Pullitzky 1975 - 1990 Hofrat Dr. Manfred Meier 1991 - Hofrat Dr. Kurt Rabl
Die ersten Bürgermeister
Eine richtige Gemeidevertretung gibt es seit 1850 und seither auch in Liezen, wie in allen Landgemeinden, einen Bürgermeister. Der Erste dieses Amtes hieß Anton Galler. Mit Datum vom 20. 7. 1850 liegt das erste Protokoll der Gemeindevertretung (Gemeinderat) auf.
Die damals gebildeten Gemeinden waren die heutigen Katastralgemeinden, ein Begriff, der nur mehr für das Grundbuch und das Vermessungswesen Bedeutung hat. So bestand neben der Gemeinde Liezen auch eine Gemeinde Reitthal, die gemeinsam mit Liezen in jener ersten Sitzung ihren ersten und letzten Beschluß faßte, nämlich sich mit Liezen zu vereinigen.
Der erste Gemeindebeamte
Als Übergeber der bisher geführten Agenden scheint in diesem Protokoll der Gemeinderichter Anton Galler auf.
Das Fürsorgewesen (damals Armeninstitut genannt) wurde nun von der Gemeinde übernommen. Die Gemeindevertreter nannte man zu dieser Zeit entweder Gemeinderäte - heute Stadtratsmitglieder -oder Ausschußmitglieder, das sind heute die übrigen Gemeinderäte.
Gleich in dieser ersten Sitzung wurden Referate verteilt, wie Kassenwesen, Armeninstitut, Feuerlöschwesen - es gab ja noch keine Feuerwehr - und Straßenaufsicht. Der erste Bedienstete, ein Gemeindediener, wurde eingestellt.
Neun Straßenlampen
Das erste Budget für das Jahr 1851 wies die Gesamtsumme von 779 Gulden und 21 Kreuzer aus.
Die Gemeindevertretung erwarb im gleichen Jahr das Haus vlg. Hafner, Rainstrom 11, um es als Armenhaus einzurichten. Diesen Zweck erfüllte dieses alte Gebäude bis nach 1945.
1860 wurde die Ennsregulierung in Angriff genommen. Für Liezen waren der 1867 angelegte Pauker-Durchstich, ein Jahr später der Gamper-Durchstich und 1872 die Durchstiche unterhalb und oberhalb des Gasthofes Überführer (an der Döllacherstraße) von Bedeutung. Zurück blieben die früheren Flußbette, auch Ennsrun, genannt. Die für den Talboden so typischen Heuhütten gab es damals in viel größerer Zahl wie heute.
In der Sitzung vom 3. 10. 1864 beschloß man die Aufstellung von neun Lampen im Ortsgebiet. Auch die Aufstellungsorte wurden genau bestimmt. Das Brennmaterial dazu war Petroleum. Für die Bedienung und das Anzünden der Lampen wurde der Gemeindediener bestellt. Dafür erhielt er eine Zulage von 10 Gulden. Vier Mitglieder des Ausschusses erklärten sich bereit, je eine solche Lampe anzuschaffen, außerdem sollte versucht werden, die Kosten für die weiteren Lampen durch eine Subskription hereinzubringen. Wieweit dies gelungen ist, sagt das Protokoll nicht.
Die Verwaltung wächst
1864 wurde auch die erste Gemeindeordnung von der steiermärkischen Landesregierung erlassen.
Vertreter der Gemeinden Liezen, Pyhrn und Weißenbach traten zusammen, um den "Schulconcurrenzausschuß" zu bilden. Diese Institution wurde später "Ortsschulrat" genannt und blieb fast bis in unsere Zeit bestehen.
Erstmals hören wir auch von der Verpachtung der Gemeindejagd durch die Gemeindevertretung. Eine Zuschrift der Kirchdorfer Sensenwerke sprach die Bitte aus, die Gemeinde Liezen möge sich an einer Subskription für die Trassierungskosten einer Bahn von Rottenmann nach Wels beteiligen. Ein Betrag von 200 Gulden wurde gewährt.
Ein Gemeindepolizeidiener und ein Totengräber nahmen den Dienst auf, ebenso ein Schuldiener und ein Gemeindeförster. Ein eigenes Amtsgebäude besaß die Gemeinde noch nicht, man mußte sich um Mieträume umsehen.
Verwaltung kassiert und wird gemolken
Die Einnahmen der Gemeinde bestanden in erster Linie aus den Zuschlägen zur Grund- und Gewerbesteuer und zur Verzehrungssteuer, die von den Wirten zu bezahlen war. Dazu kamen Pachterträge von Gemeindegrund. 1869 scheint sogar eine Einnahme von 30 Gulden aus dem Verkauf von Straßenkot auf.
Die Gemeindevertretung hatte auch zu dieser Zeit bei Konzessionsansuchen für Gewerbe über den Lokalbedarf zu entscheiden. Bei Ansuchen um die Verleihung der Gasthauskonzession, stellte die Gemeindevertretung sehr oft fest, daß schon 23 Gasthäuser im Ort seien. Sie sprach sich daher gegen die Verleihung weiterer Gasthauskonzessionen aus.
Aber auch über die Aufnahme in den Heimatverband (das war die Zuerkennung der Zuständigkeit und das Recht auf einen Heimatschein) entschied der Gemeinderat. Dabei spielten fast immer die Vermögensverhältnisse der Gesuchsteller eine große Rolle. Konnten genügend Vermögen und gesicherte Erwerbsmöglichkeiten nachgewiesen werden, nahm man den Bewerber auf, wenn nicht, mußte er mit dem "Abschub", das heißt mit der "Verfrachtung in seinen Heimatort", rechnen.
Viele Probleme trug man auch in dieser Zeit an die Gemeinde heran. So sollte sie sogar das Brennholz für die neue Telegrafenstation beistellen. Doch diesem Ansuchen "konnte nicht stattgegeben werden".
Nikolaus Dumba
Im Gemeindeausschuß (Gemeinderat) befaßte man sich am 22. 9. 1871 mit der Frage, ob der Ort Liezen zum Markt erhoben werden sollte. An die "hohe kk. Statthalterei" sollte ein entsprechendes Ansuchen abgesandt werden. Eine Erledigung dazu ist nicht bekannt.
1872 suchte eine weitere Epidemie unser Tal heim. Das waren die Blattern. Oppenberg und Liezen waren Schwerpunkte dieser Krankheit. Im ganzen Bezirk waren 236 Todesfälle zu beklagen.
In diesem Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr Liezen gegründet. Erstmals hören wir von Nikolaus Dumba, damals Reichsratsabgeordneter. Er kam als Jagdherr nach Liezen und ließ die Jagdvilla, genannt "Dumbavilla", erbauen, die bis 1960 dort stand, wo sich heute die Wohnhäuser Ausseerstraße 37,39,41 und 43 befinden. Nikolaus Dumba war ein großer Förderer vieler gemeinnütziger Einrichtungen, besonders der Feuerwehr. 1873 wurde ihm daher die Würde eines Ehrenbürgers von Liezen verliehen.
Die Aufgaben häufen sich
Auch mit Verkehrsproblemen - wenn auch andere als heute - mußte sich die Gemeindevertretung beschäftigen. So wurde beschlossen, einen Besitzer aufzufordern, seinen Düngerhaufen zu beseitigen, da er die "Passage" (den Fußgängerverkehr), behindere. Das Abstellen von Wagen vor den Gasthäusern wurde ebenso als Behinderung kritisiert.
Mit Beschluß vom 6. 11. 1875 kaufte die Gemeinde von Frau Pumpernig das Haus, in dem sich bereits die Bezirkshauptmannschaft befand. Es handelt sich um das heute noch bestehende Rathaus, das vorher auch ein Gasthaus war und mit dem Vulgonamen "Neuwirt" oder auch "Schlossertaferne" hieß. Dieses Haus wurde für die Aufnahme der Gemeindekanzlei und einer Wohnung adaptiert.
1884 befaßte sich die Gemeindevertretung erstmals mit der Frage der Errichtung einer Wasserleitung.
Das erste Schwimmbad entstand 1888. Es lag an der Stelle jener Grünanlage südlich des Gebäudes der Baubezirksleitung, wo man nördlich davon in Richtung Admont und südlich davon in Richtung Graz fährt.
Begräbnis in Wien
1895 beschloß die Gemeindevertretung den Bau der ersten Wasserleitung. Der große Förderer Liezens, Nikolaus Dumba, erklärte sich bereit, von der Gemeinde das rund 8.000 ha umfassende Areal auf den "Angern" zum Preis von 15.000 Gulden zu kaufen.
Denselben Betrag gab er als Spende für dieses Projekt dazu. Weitere 15.000 Gulden wurden als Darlehen aufgenommen und damit war die Finanzierung gesichert. 1898 war diese erste Wasserleitung fertiggestellt, die aus der Röth kommt und heute noch - wenn auch mit einigen Änderungen - besteht. Gleichzeitig wurden auch Hydranten aufgestellt und vier öffentliche Brunnen errichtet.
Die Bezirkssparkassa hatte ab der Gründung ihre Amtsräume im Haus des Herrn Johann Vasold, Nr. 81 (heute Ausseerstraße 4). 1900 konnte ein neues, repräsentatives Gebäude bezogen werden.
Im Jahre 1900 starb auch der große Förderer des Ortes, Nikolaus Dumba. Eine Abordnung der Gemeindevertretung fuhr zum Begräbnis nach Wien.
Die Handwerksburschen
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte man sich schon Gedanken über die Verbauung des Pyhrnbaches. Die Gemeinde hatte schließlich einen Beitrag von 5.000 Kronen zu leisten.
Der Ortsteil des heutigen Hauptplatzes war damals ein sogenannter "Volksgarten" mit Musikpavillon. Der Turnverein bat die Gemeinde, in diesem Volksgarten eine Turnwiese anlegen zu dürfen.
In einem Büchlein mit der Bezeichnung "Ennstaler Wanderungen" werden in Liezen die Villa Dumba, das neue Sparkassengebäude und das Hotel Fuchs als "Besondere Zierden des verkehrsreichen Marktes Liezen" erwähnt. Dieses Werk schildert auch eine "aussichtsreiche Gaststätte" auf dem Salberg (heute vlg. Untersaler).
1905 beriet der Gemeinderat über den Umbau des Amtsgebäudes (heute Rathaus, Hauptstraße 12). Das Haupttor, das sich früher an der Nordseite befand, sollte nach Osten, mit dem Blick zur "Reichsstraße" (heute Pyhrnpaß-Bundesstraße) verlegt werden.
Die Gemeinde Liezen hatte in jenen Jahrzehnten eine Naturalverpflegesstation für die durchreisenden Handwerksburschen. Gar mancher blieb in Liezen hängen.
Nach dem Bezug des neuen Schulhauses vermietete die Gemeinde freie Räume im bisherigen Schulgebäude Hauptstraße 14 an die Post.
Aus Gemeinderatsprotokollen lesen wir, daß zu dieser Zeit ein Jagdherr aus Hamburg, Georg Plange, Pächter der Gemeindejagd Liezen war.
Das Gouvernanteninstitut
Das Stadtarchiv Liezen besitzt das erst Exemplar des "Ennstaler", der am 1. November 1906 von der Buchdruckerei Wallig in Gröbming herausgebracht wurde. In dieser Ausgabe wird ausführlich über den "Räuberhauptmann von Köpenick, Wilhelm Voigt" berichtet, der damals gerade Tagesgespräch war.
Die Eröffnung des neuen Amtsgebäudes fand im Oktober 1907 statt. Vorher hatte die Bezirkshauptmannschaft die meisten Räume gemietet und blieb dort bis 1961. Nur das Erdgeschoß und eine Kanzlei im 1. Stock wurden von der Gemeinde benützt. Das Rathaus hat heute noch die beim damaligen Umbau geschaffene äußere Form. Der Leiter des Bauausschusses, Obering. Konstantin Strobl, wurde 1912 zum Ehrenbürger ernannt.
In dieser "Gründerzeit" wurde vieles begonnen, es tauchten zahlreiche neue Probleme auf, die uns heute als selbstverständlich erscheinen. Im Gemeinderat wurden beispielsweise Gehsteige vorgeschlagen. Die Anstrengungen, Liezen in den Telefonverkehr einzubeziehen, führten 1911 zum Erfolg. Erstmalig hören wir auch, daß Liezen von Touristen besucht wird und in Broschüren sind Ausflugsziele und Wanderwege beschrieben.
Im Schloß Grafenegg bestand in diesem Jahrzehnt ein von der Witwe Dumba gestiftetes "Gouvernanteninstitut", das als "modern und zweckmäßig eingerichtet" bezeichnet und von Klosterschwestern geführt wurde.
Lärmplage 1911
Der Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein trat mehrfach mit Vorschlägen und Anregungen an den Gemeinderat heran, 1910 wurde dabei das "Steingassl" (Fußweg westlich des Gasthofes Untersaler) von der Gemeinde als Rodelweg hergerichtet. Dem Rodelsport wurde also damals schon Beachtung geschenkt. Vielleicht war dies der Ausgangspunkt für die Rolle, die Liezen nach dem 2. Weltkrieg im Rodelsport zu spielen begann.
Ein Mitglied des Gemeinderates regte 1911 an, wichtige Gemeindeangelegenheiten nicht nur kundzumachen, sondern auch auszutrommeln. Als Lärmbelästigung empfand man es damals, wenn die Fuhrleute mit den Peitschen knallten.
Eine Goldmedaille
Mit Besorgnis nahm es der Gemeinderat zur Kenntnis, daß Frau Dumba im Schloß Grafenegg ein Heim für lungenkranke Kinder eingerichtet hatte. man hegte Befürchtungen für die Gesundheit der Ortsbewohner. Schließlich verlangte die Gemeindevertretung scharfe Vorsichtsmaßnahmen, um eine Ansteckungsgefahr für die Bevölkerung zu vermeiden.
Ab 1915 mußten Maßnahmen zur Beschaffung von Lebensmitteln eingeleitet werden. So wurde Mais aus Ungarn gekauft. Später wurden dreißig Kriegsgefangene Russen angefordert und den Landwirten zur Arbeit zugeteilt. Der 1. Weltkrieg forderte auch in der Gemeinde Liezen zahlreiche Opfer an Gefallenen und Vermißten.
Die Lieferung von Milch an die Genossenschaft steigerte sich in den zwanziger Jahren zur wichtigen Einnahme für die Landwirtschaft. Ab 1923 kam zum bestehenden Markttag ein Krämermarkt am 15. März dazu. 1929 erhielt die "Alpenländische Kunstkeramik" Ferdinand Vasold bei der Weltausstellung in Barcelona eine Goldmedaille.
Krisenzeiten
Die Frage der Beschaffung von Arbeitsplätzen beschäftigte mehr und mehr den Gemeinderat. Auch Liezen bekam die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise zu spüren. 1930 wird erstmals eine "Winterhilfe" genannt, welche die ärgste Not in den Familien lindern sollte.
In Stainach war als Außenstelle von Graz die "Industrielle Bezirkskommission" entstanden, ein Vorläufer des späteren Arbeitsamtes. 1932 kam diese Einrichtung nach Liezen, wurde im alten Schulgebäude in der Ausseerstraße und später wieder im alten Schulhaus in der Hauptstraße 14 untergebracht.
Die Jahre 1933 und 1934 bedeuteten das Ende der demokratisch gewählten Gemeindevertretungen. 1933 wurden die Gemeinderatsmitglieder, die der Nationalsozialistischen Partei und dem Steirischen Heimatschutz angehörten, ihrer Mandate für verlustig erklärt. Im Februar 1934 traf es die Mandatare der Sozialdemokratischen Partei, kurz darauf legten die restlichen Gemeinderatsmitglieder ihre Mandate nieder.
Der Aufstand der Nationalsozialisten am 25. und 26. Juli 1934 und die Kämpfe am Pyhrnpaß forderten sieben Tote (zwei Bundesheerangehörige und fünf Zivilisten).
In den Jahren 1935 bis 1945 fanden keine demokratischen Wahlen in die Gemeindevertretungen statt, die Gemeinderäte wurden von den jeweils regierenden Parteien namhaft gemacht.
Stadterhebung
Auch der 2. Weltkrieg forderte einen hohen Blutzoll an Toten und Vermißten. Kurz vor und nach dem Zusammenbruch im Mai 1945 strömten zahlreiche Flüchtlinge durch den Ort. Bei Kriegsende wurde Liezen von amerikanischen Truppen besetzt. Die Enns galt als "Demarkationslinie" und die Gebiete südlich davon besetzten die Streitkräfte der Sowjetunion. Dies änderte sich im Juli 1945, als die gesamte Steiermark und auch Kärnten Besatzungsgebiet der englischen Truppen wurde.
Nach Überwindung der ärgsten Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre setzte eine stürmische Aufwärtsentwicklung in Liezen ein. Mit Beschluß der Steiermärkischen Landesregierung vom 2. April 1947 wurde Liezen zur Stadt erhoben. Die Feierlichkeiten aus diesem Anlaß fanden im September 1947 statt, wobei als höchster Gast der damalige Bundespräsident Dr. Karl Renner anwesend war.
Als Auftakt der raschen Entwicklung zur Bezirksstadt können wir auch die Gründung von Amtsstellen der Interessenvertretungen in Liezen ansehen: 1945 schon die Kammer für Land- und Forstwirtschaft, 1946 die Kammer der Gewerblichen Wirtschaft und 1947 die Kammer für Arbeiter und Angestellte.
Die katholische Kirche
Die älteste Kirche in unserer näheren Umgebung dürfte in Niederhofen bereits in der Karolingerzeit (ca. 850) vorhanden gewesen sein. Diese war auch die Mutterpfarre für Pürgg. Der Kirchenheilige war der Hl. Rupert und dies weist darauf hin, daß die Christianisierung unserer Heimat von Salzburg aus erfolgte.
Lassing hatte sicher lange vor Liezen eine Kirche. 1130 wird die Filialkirche in Liezen erwähnt. Diese Abhängigkeit von Lassing blieb noch ein halbes Jahrtausend lang bestehen. Zur Pfarre Liezen gehörte bis in unsere Zeit auch der Ort "Wizinpach" - Weißenbach. Doch auch 1160 wird die Kirche zu Liezen neuerlich erwähnt. die im romanischen Stil erbaut war. Die dicken Mauern und ein wehrhafter Turm werden besonders hervorgehoben.
Filiale von Lassing
Es ist überliefert, daß der Pfarrer von Lassing auch in Liezen eine Messe zu lesen hatte. Die Liezener stifteten im Jahre 1357 jährlich 100 Laib Käse zum Tisch des Lassinger Pfarrherrn, damit jeden Freitag hier eine Messe zelebriert werde.
Eine Urkunde aus 1393 nennt "Lueczen in Lassinger Pharr". Erzbischof Ortholf von Salzburg bestätigte das Messelesen, was auch 1425 Erzbischof Eberhard tat, doch sollte auch schon an Montagen eine Messe gefeiert werden.
Vermutlich im 15. Jahrhundert dürfte die Kirche umgebaut worden sein. Der Turm ist viel älter. Nicht nachweisbar ist aber die oft gehörte Meinung, daß an der Stelle dieses Turmes ein römischer Wachtturm gestanden sein soll.
Die Kirche trug immer den Namen des Hl. Veit. Das besagt eine Urkunde vom 16. 11. 1494, die berichtet, daß Liezener Besitzer aus bestimmten Erträgnissen des Taschengutes eine weitere Messe in der Kirche St. Veit zu Liezen stifteten.
Die Pfarre Lassing wurde mit der Filialkirche Liezen 1515 dem Stift Rottenmann einverleibt. Die folgenden Jahrzehnte der Reformation und der Glaubenskämpfe brachten viel Verwirrung und Unfrieden im Leben der Kirche und in ihre Gemeinde.
1614 wurde Liezen selbständige Pfarre.
Das erste Altarbild, den Hl. Vitus, darstellend stammt aus 1665. Als Maler wird ein Turnipp genannt, doch dürfte es sich um den Künstler Turnier handeln, der im 17. Jahrhundert in der Obersteiermark bekannt war.
In der Zeit von 1711 - 1785 wurde die Pfarre Liezen von Priestern des Chorherrenstiftes Rottenmann betreut. Seit 1713 ist die Pfarrmatrik vorhanden.
Der Kalvarienberg
Ungefähr in der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der Pfarrer, ein Augustinermönch, auf dem Kalvarienberg bei Liezen eine Kapelle bauen. 1749 stiftete Johann Jakob Sedlmayr, Edler von Lindenfeld, der Kirche jährlich 700 Gulden für 24 Messen und für die Erhaltung der Kalvarienkapelle 5 Gulden. Für dieses neue Kirchlein wurde 1755 die Messelizenz erteilt. Unterhalb davon entstand 1770 ein Kalvarienberg, der wahrscheinlich aus mehr Bildstöcken oder Kreuzwegstationen bestand als heute, wo lediglich zwei Bildstöcke zu finden sind.
Erweiterung der Pfarre
Wie zu dieser Zeit in jeder Pfarre, so lag auch der Friedhof im engeren Kirchhof. 1789 wurde dieser älteste Friedhof aufgelassen und in der Döllacher Straße gegenüber der heutigen Gösser Bier-Niederlage neu angelegt.
Das Altarbild stammt aus 1777 und wurde vom berühmten Maler Martin Johann Schmidt, genannt der "Kremser Schmidt" (1718 - 1801) geschaffen. Es stellt das Martyrium des Heiligen Vitus dar.
Die Zuweisung eines Kaplans wurde notwendig und 1781 suchte man darum an. Pfarrer Öhlmayer führte Klage darüber, daß die Kirche zu klein sei. 1786 wurde erstmals ein Kaplan zugewiesen.
Ab 1785 versahen Weltpriester das Amt des Seelenhirten. Der Grund für diese Änderung war die Auflösung des Chorherrenstiftes Rottenmann. Die Ortschaft Reitthal gehörte bis in jenes Jahrzehnt zur Pfarre Frauenberg und Weißenbach bei Liezen zum Pfarrsprengel Wörschach. Die kirchliche Neuordnung unter Kaiser Josef II. brachte hier eine wesentliche Änderung und diese Orte wurden dem Pfarrbereich Liezen zugewiesen.
1850: Kirche wurde zu klein
Der Kirchturm erhielt 1792 ein pyramidenförmiges Schindeldach. Das Barbarabild der Kirche stammt von J. Pürker aus 1799. In einem Inventar aus 1808 wird die Höhe des Kirchturmes mit 12,60 m angegeben.
Das Kirchlein am Kalvarienberg erhielt 1832 eine halbhohe Mauer. Die beiden vorderen Bäume wurden zur gleichen Zeit gesetzt. Der Hammerherr und Kirchenprobst Adalbert Kahls ließ 1853 dieses Kirchlein gründlich renovieren und ein Blechdach anbringen.
Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts machte man sich in der Pfarrgemeinde ernstliche Gedanken, die Kirche zu vergrößern.
Bis 1870 habe jeweils ein Lehrer den Meßnerdienst zu versehen, für den er auch einen kleinen Geldbetrag erhielt. Den Dienst des Organisten übten die Lehrer bis in das 20. Jahrhundert aus.
Nach 1870 wurde die Arbeit des Meßners durch einen gesondert bestellten Meßner ausgeübt.
Die Kirche wurde 1887 mit Ziegeln, der Turm mit verzinktem Eisenblech neu eingedeckt.
Friedhof wird zu klein
Die Frage der Errichtung eines neuen Friedhofs kam 1889 in der Gemeindevertretung zur Sprache. Um 893 Gulden, 60 Kreuzer wurde 1897 der 2. Gottesacker angekauft und eingeweiht. An seiner Stelle befindet sich nun der Autobusbahnhof, dem westlichen Teil des Hauptplatzes.
Die Vergrößerung der Kirche
1911 erhielt der Dombaumeister Matthias Schlager den Auftrag, die Kirche umzubauen.
Die in diesem und im nächsten Jahr vorgenommene Vergrößerung der Kirche nach Osten bedingte die Entfernung der Häuser Wirnsberger (neben der alten Schule, Ausseer Straße 1), Kirchenschuster und Sattler. Sowohl Pfarrer Eder als auch der Kirchenbau-Verein und Bürgermeister Gustav Größwang jun. waren die treibenden Kräfte für diese schon seit Jahrzehnten notwendig erachtete Vergrößerung der Kirche. Das Kirchengebäude erfuhr dadurch eine Erweiterung um 12 Meter gegen die Hauptstraße hin.
Fürst-Bischof Leopold Schuster nahm am 28. Juli 1912 die Weihe des vergrößerten Gotteshauses vor. Die gesamten Baukosten hatten 200.000 Kronen betragen, die durch Sammlungen, Darlehen und Barmitteln des Kirchenbau-Vereines gedeckt wurden.
Umgestaltung der Kirche
Mit dieser Vergrößerung erhielt die Stadtpfarrkirche ihre heutige Form. Im gleichen Jahre 1912 wurde auch die Kalvarienberg-Kapelle renoviert.
Als besonderer Festtag der Pfarre wäre wohl der 18. 6. 1961 zu nennen. Nach der Initiative von Stadtpfarrer Geistl. Rat Franz Fastl erhielt die Kirche wieder eine Orgel, eine prächtige. leistungsfähige Orgel aus Meisterhand. Viele Gönner und freiwillige Helfer wären zu nennen. Die Weihe durch Abt Koloman Holzinger setzte einen Schlußpunkt hinter viel Mühe und Sorge des Pfarrers.
In den Jahren 1965 - 1969 schuf der Liezener Künstler Manfred Fasching eine überlebensgroße Christusfigur. Auch diese Weihe nahm Abt-Präses Koloman Holzinger vor (20. 4. 1969). Schon zwei Jahre vorher, 1967, war der Altar entsprechend den Beschlüssen des II. Vatikanischen Konzils so umgestaltet worden, daß der Priester nunmehr während der Messe den Gläubigen zugewandt ist.
Pfarrer in Liezen
1610 Siegmund Friedrich Adlkoven 1624 Adam Marcher 1649 Georg Eheser 1671 Georg Christoph Murat 1693 Friedrich Ignatz Urbany de Leyen 1700 Oswald Caspar 1713 Patrius Nost 1715 Joh. Mich. Schrottmüller 1746 Joh. Martin Poshauko 1750 Ignatz Grebitschitscher 1754 Josef Anton Martin 1758 Adam Reidler 1759 Josef Ostermann 1763 Leopold Pintlechner 1774 Ignatz Godefried Leobner 1779 Jos. Math. Öhlmayer 1784 Anton Ferd. Mayer 1812 Anton Nageldinger 1831 Michael Weishebach 1854 Ignatz Widerhofer 1865 Josef Mandl 1877 Josef B. Haim 1890 Franz Fauster 1910 Josef Eder 1935 Johann Bruckgrabner 1952 Franz Fastl 1976 Josef Schmidt seit 2008 Mag. Andreas Fischer
Die evangelische Gemeinde Liezen
von Erich Schuster, ehemaliger evang. Pfarrer:
Über die Zeit der Reformation und Gegenreformation berichtet in diesem Buch der Stadt Liezen ausführlich Stadtamtsvorstand Oberamtsrat Rudolf Polzer. Die Gegenreformation vernichtete alles evangelische Leben.
Erst am 17. Juni 1934 konnte Pfarrer Karl Schiefermair nach Überwindung vieler Widerstände im Gasthaus Matlschweiger den ersten Gottesdienst seit der Reformationszeit halten. Die Predigtstation Liezen der ev. Pfarrgemeinde Rottenmann wurde gegründet. Sie zählte unter 2.500 Katholiken 66 Glieder, die vorher nach dem 7 km entfernten Bethaus nach Selzthal zum Gottesdienst gingen. Ihr erster Presbyter war Oberbaurat Dipl.-Ing. Ferdinand Sarlay, der bis zu seinem Tod der treueste Berater und Helfer der Pfarrer Schiefermair, Sonnek und Schuster war.
Aufstieg nach 1947
Die seelsorgerliche Betreuung der wachsenden Predigtstation, die seit 1947 der neu errichteten Pfarrgemeinde Admont angehört, und die Erteilung des Religionsunterrichtes war besonders in der Kriegs- und Nachkriegszeit infolge der heute unvorstellbar schlechten Verkehrsverhältnisse sehr schwierig.
Sie konnte überhaupt in den ersten Jahren nach 1945 nur dank der Hilfsbereitschaft der Familien Karl Pollheimer und Wilfried Sarlay durchgehalten werden. Sie stellten Pfarrer Schuster einen Übernachtungsraum zur Verfügung. Die Gemeinde aber - sie zählte 1944 - 144, 1947 - 340, 1955 - 527 Seelen - mußte mit ihren Gottesdiensten von Gasthaus zu Gasthaus, in Sitzungszimmer, Schulräume und eine Wohnküche wandern, um schließlich im Kindergarten zu landen.
Die Benützung dieser Räume wurde uns durch die Bürgermeister Holzer, Wolf und Wimmler und Landrat Balzer ermöglicht.
Gemeinschaftsarbeit
Nach jahrelangem Suchen konnten wir von der Stadtgemeinde Liezen einen Grund zu sehr günstigen Bedingungen erwerben und mit dem Bau der Auferstehungskirche beginnen.
Der Einsatz unserer Liezener Gemeindeglieder war in jeder Hinsicht vorbildlich. Im Rückblick auf diese Zeit gilt der besondere Dank unserem Architekten Oberbaurat Dipl.-Ing. Hubert Buchsteiner, der, wie ein sehr kritischer Fachmann sagte, "seine ganze Liebe in diesen Kirchenbau steckte"; Dank gilt allen treuen Helfern, vor allem Vater Denk, den Kuratoren Paul Luks und Max Kern sowie den vielen unermüdlichen Sammlern.
Frauen, Männer und Kinder halfen beim Erdaushub und vielen anderen Arbeiten und spendeten insgesamt rund 180.000 S (1957 - 1959). Unter den vielen Beihilfen der Stadt, des Landes, der VOEST und ihrer Betriebsräte, der Konsumgenossenschaft, des Hilfswerkes der ev. Kirchen der Schweiz, der Schwedischen Kirchenhilfe, des Evangelischen Bundes Kurhessen-Waldeck, der Superintendentur usw., steht das Gustav Adolf-Werk mit 270.000 S (1958!) an der Spitze. Am 25. 10. 1959 wurde die Kirche mit dem Gemeindesaal von Senior Martin Kirchschlager eingeweiht. Die Festpredigt hielt unser Bischof Dr. Gerhard May.
Die Vollendung
Im Juni 1971 konnte mit der 2. Baustufe, dem Bau des Gemeindezentrums begonnen werden. Es umfaßt die Pfarrwohnung (130 m²), die Schwesternwohnung (30 m²), die Pfarrkanzlei (22 m²) und im Keller einen Jugendraum (50 m²).
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Post und Bahn
Das erste "Postamt" von Liezen stand auf dem Brunnfeld, wenn wir diese Umspannstation an der Römerstraße als Poststation gelten lassen.
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1790: Fußbote Haas
Der Beginn eines geregelten Postwesens in Liezen fällt in das 18. Jahrhundert. Noch war es eine uns primitiv anmutende Angelegenheit. Zwischen Ischl und Bruck an der Mur verkehrte allwöchentlich der Fußbote Haas.
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Für den Brief 4 Kreuzer
Das Postwesen besorgte seit 1799 bis April 1808 Johann Prugger, ein Verwandter des verstorbenen Fußboten Christoph Haas.
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1824: Liezen - Graz 22 Stunden
Mit Dekret der Hofkammer vom 17. 4. 1824 wurde Franz Götschl zum Postmeister in Liezen bestellt. Damit war die Verpflichtung verbunden, besonders taugliche Pferde, 3 Postillione, einen ungedeckten und einen gedeckten Wagen mit den notwendigen Requisiten zu halten. Das Jahr 1824 wird im Postlexikon "Skibinski" als "Errichtung des Postamtes Liezen mit Poststation" genannt.
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1974: 1350 Telefonanschlüsse
Die Postmeistergeschichte von Liezen ist trotz aller Bemühungen nur sehr unvollständig zu rekonstruieren. Nach der ersten Bestellung von Franz Götschl (1824) finden wir erst 1864 einen Anton Hinterschweiger. Von 1911 bis 1923 (der letzte k. k. Postmeister) ist Dir. Alois Überbacher bekannt, dann noch mit unbestimmten Daten Friedrich Tripold und Reinhold Weikl. 1938 - 45 finden wir Günter Mitterhammer und Alois Hackl, nach 1945 Alois Simml und seit 1954 Amtsdirektor Adolf Rami. In diese 20 Jahre unter Vorstand Rami fallen auch wesentliche weitere Fortschritte im Postwesen:
Vereinfachung der Zustellung durch Abgabebriefkästen, Hausbriefanlagen, etappenweise Motorisierung des Zustelldienstes vom Moped über Motorräder zum Auto, Aufstellung von Münzfernsprechern, Einführung des Telefon-Selbstwählverkehrs für ganz Österreich und weite Teile des Auslands. Die Zahl der Telefonteilnehmer stieg von 130 im Jahr 1954 auf 1350 im Jahre 1974.
Von der Postkutsche zur Elektrolok
Um Liezen gab es dereinst schlechtere Straßen als zur Zeit unserer vielgelästerten Großbaustellen um 1973/74. Beispielsweise beschreibt ein Dr. Brinkmann im "Alpenfreund" die Reise von Liezen nach Admont etwa um 1870:
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Zwischen Vorfahren und Nachkommen
Wir lebenden Liezener sind ein kurzes Glied in einer langen Kette, von der Anfang und Ende nicht zu erkennen sind. Die Vorfahren auf unserem Erdenflecken haben jedenfalls unter Sorgen und Nöten so mancherlei gesät, was in unseren Jahren Früchte tragen konnte. Wir sind ihnen dafür zu Dank verpflichtet. Die Siedlung Liezen als Mittelpunkt im Ennstal, als Mittelpunkt im zentralösterreichischen Bergland, ist zu einer Bedeutung emporgewachsen, welche schon die Römer im großen Reich aus weiter Entfernung dem Schwemmkegel am Rande des Sumpfes zuerkannt hatten.
Wir wollen hoffen, daß die kommenden Generationen rückblickend mit unserem Wirken in den entscheidenden Jahren der Stadterhebung und vollen Stadtentwicklung zufrieden sein können, auch wenn dies bei uns stürmisch verlief wie selten wo.
Zwischen Vorfahren und Nachkommen liegt unser eigenes Leben und Streben. Wir leben und mühen uns zu einer Zeit, die der Siedlung Liezen mehr Veränderungen bringt als alle Jahre vorher zusammen. Die Gemeinschaft unserer Generationen hat Liezen in vielfältiger Weise gehegt, gepflegt, vergrößert und zu Ansehen gebracht.
Jedermann kann die Seiten der Zukunft selbst hinzufügen.
Daß es für die Stadt und ihre Familien nur glückliche Ereignisse sein mögen, wünscht