Von der Postkutsche zur Elektrolok

Für die Fahrt in der Postkutsche waren damals 1 Gulden und 20 Kreuzer zu bezahlen und der Gast erwartete um dieses scheinbar sündteure Geld eine angenehme Fahrt. Zunächst aber war der Postillion nicht im Gasthof "zum Hirschen" zu finden, wo er sein sollte und schließlich gab es eine Rauferei um die Plätze. Der Erzähler schreibt weiter: Hätte ich geahnt, was mich erwartete, wäre ich trotz des Straßenkots lieber zu Fuß gegangen. Der Wagen war eine "erbärmliche Karriole", ganz offen und ohne Federn. Die Fahrt entwickelte sich zu einer fast unerträglichen Qual. man wurde derart gestoßen, durcheinandergerüttelt und emporgeschleudert, daß man glaubte, es würden einem die Rippen gebrochen.

Das Zeitalter der Eisenbahn brachte somit nach der Postkutsche zweifellos einen Fortschritt. Aus der Geschichte des Eisenbahnbaues in unserem Tale wissen wir:

1869 erfolgte eine "Politische Begehung" (heute Kommissionierung genannt) für die Trassenführung einer Eisenbahn von Bischofshofen nach Selzthal. Ebenfalls 1869 wurde die Eisenbahn von St. Michael bis Rottenmann gebaut (Kronprinz-Rudolf-Bahn).

20. 8. 1872: Eröffnung der Linie Amstetten - Selzthal - Rottenmann. Liezen lag noch abseits.

6. 8. 1875: Eröffnung der Elisabethbahn von Bischofshofen nach Selzthal.

Der Knotenpunkt zwischen den beiden neuen Verkehrslinien lag damals "eine Meile östlich von Liezen" und dieser erste "Umsteigebahnhof" des Ennstales hieß "Bahnhof Selzthal-Liezen". Der Nachbarort Selzthal wurde schon als "Eisenbahnermetropole" bezeichnet. Auf der Strecke von Selzthal nach Westen verkehrten vier Personenzüge, ein gemischter und ein Lastzug täglich.

1903: Baubeginn an der Pyhrnbahn und am Bosrucktunnel. 1905 ereignete sich beim Tunnelbau eine Schlagwetterkatastrophe, der 16 italienische Arbeiter einer Firma "Zatteranda" zum Opfer fielen.

Die Pyhrnbahn wurde 1906 fertiggestellt. So begrüßenswert die neue Bahnverbindung von Selzthal über Windischgarsten nach Linz war, so wenig Freude hatten damit die Fuhrleute aus Liezen, die sich um eine wesentliche Einnahme beraubt sahen.

Daß der endgültige Bau eines großen Umsteigebahnhofes auf moorigem Grund in Selzthal und nicht in Liezen erfolgte, weil die Liezener Grundbesitzer (meist Fuhrleute) kein Grundstück an die Staatsbahn abgeben wollten, ist heute nicht zu beweisen. Liezen als "verhinderter" Bahnknotenpunkt ist daher nur eine "Legende".



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